Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Bezahlbarer Wohnraum bleibt für Studierende in Bielefeld knapp. Trotz schwachem Abiturjahrgang ist die Wohnungssuche schwierig.

Wer zum Wintersemester ein Studium in Bielefeld beginnt, sollte sich nicht erst nach der Einschreibung um ein Zimmer kümmern. Trotz eines ungewöhnlich kleinen Abiturjahrgangs in Nordrhein-Westfalen bleibt günstiger Wohnraum für Studierende knapp. Das gilt auch für Ostwestfalen.
Hintergrund ist die Rückkehr von G8 zu G9. Weil an vielen Gymnasien 2026 kein regulärer Abiturjahrgang die Schule verlässt, haben landesweit nur rund 30.000 Schülerinnen und Schüler ihr Abitur gemacht. Ein Jahr zuvor waren es noch etwa 78.000. Die Hoffnung, dass sich dadurch der studentische Wohnungsmarkt spürbar entspannt, erfüllt sich bislang jedoch nicht. Achim Landgraf, Geschäftsführer des Studierendenwerks Bielefeld, spricht weiterhin von einem deutlich höheren Bedarf an bezahlbaren Wohnungen als vorhandenen Angeboten.
Für Bielefeld überrascht das nur bedingt. Die Universität zählte im Wintersemester 2025/26 insgesamt 23.463 Studierende. Hinzu kommt die Hochschule Bielefeld mit mehr als 10.000 Studierenden an ihren Standorten Bielefeld, Minden und Gütersloh. Bielefeld bleibt damit einer der großen Hochschulstandorte in Nordrhein-Westfalen – und entsprechend groß ist die Nachfrage nach kleinen Wohnungen und WG-Zimmern.
Das Studierendenwerk konnte Ende 2024 in Bielefeld 2.541 Wohnplätze anbieten. Über alle Standorte hinweg waren die Wohnanlagen zu 98,2 Prozent ausgelastet. Allein zwischen August und Dezember 2024 gingen mehr als 1.000 Bewerbungen um einen Wohnplatz ein. Die Zahlen zeigen, wie begehrt die vergleichsweise günstigen Zimmer und Apartments sind.
Selbst ein ungewöhnlich kleiner Abiturjahrgang sorgt in Bielefeld kaum für Entspannung auf dem studentischen Wohnungsmarkt.
Auch auf dem freien Bielefelder Wohnungsmarkt ist wenig Luft. Im aktuellen Wohnungsmarktbarometer der Stadt nennen 58 Prozent der befragten Fachleute zu wenige kleine bezahlbare Wohnungen als Problem. Knapp ein Drittel sieht ausdrücklich einen Mangel an Wohnungen für Studierende mit einer monatlichen Belastung von höchstens 350 Euro. Der marktbedingte Leerstand bei den untersuchten Wohnungsunternehmen liegt gerade einmal bei 0,1 Prozent.
Etwas günstiger stellt sich die Lage außerhalb Bielefelds dar. In Hochschulorten wie Minden, Lemgo oder Höxter sei die Wohnungssuche nach Einschätzung des Studierendenwerks etwas unkomplizierter. Einfach ist sie aber auch dort nicht.
Unsere Meinung: Bielefeld will Wissenschaftsstadt sein – dann gehört bezahlbares studentisches Wohnen zur Infrastruktur genauso wie ein attraktiver Campus oder ein guter Nahverkehr. Gerade kleine Wohnungen werden jedoch auch von Auszubildenden, Singles und älteren Menschen gesucht. Mehr günstiger Wohnraum für Studierende würde deshalb nicht nur den Hochschulen helfen, sondern den gesamten Bielefelder Wohnungsmarkt entlasten. Dass selbst ein außergewöhnlich schwacher Abiturjahrgang kaum für Entspannung sorgt, sollte für Stadt, Land und Studierendenwerk ein ziemlich deutliches Signal sein.