Möbelindustrie bleibt in der Krise – Ostwestfalens Küchenbauer trotzen dem Abwärtstrend

Möbelindustrie in der Krise: Ostwestfalen spürt den Abschwung, während die starke Küchenindustrie der Region vergleichsweise stabil bleibt.

Die deutsche Möbelindustrie findet auch 2026 nicht aus der Krise. Für Ostwestfalen ist diese Entwicklung besonders relevant: Zwischen Herford, Löhne, Bünde, Rödinghausen, Verl und weiteren Standorten sitzt ein bedeutender Teil der deutschen Möbel- und vor allem Küchenmöbelproduktion.

Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschafteten die deutschen Möbelhersteller nach vorläufigen Branchenzahlen rund 7,7 Milliarden Euro Umsatz. Das waren 2,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders schwach entwickelte sich erneut das Geschäft in Deutschland. Hier gingen die Erlöse um 4,1 Prozent zurück. Bei Polstermöbeln lag das Minus sogar bei rund zehn Prozent.

Die Ursachen sind längst nicht mehr neu: Viele Verbraucher halten sich bei größeren Anschaffungen zurück, gleichzeitig belasten hohe Kosten für Material, Energie und Personal die Hersteller. Hinzu kommen der schwache Wohnungsbau und zunehmender Wettbewerbsdruck aus dem Ausland. Nach Angaben des Branchenverbandes planen inzwischen rund 40 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen Kurzarbeit. Eine deutliche Erholung erwartet der Verband für dieses Jahr nicht mehr.

Möbelbranche in Ostwestfalen

Ostwestfalen bleibt Deutschlands Küchenzentrum

Für Ostwestfalen ist allerdings ein Detail der neuen Zahlen besonders interessant: Küchenmöbel entwickeln sich gegen den allgemeinen Trend vergleichsweise stabil. Im ersten Halbjahr stiegen die Umsätze bundesweit um rund ein Prozent. Bereits im ersten Quartal hatte die Küchenmöbelindustrie als einziges größeres Segment ein deutliches Plus verbucht.

Davon profitiert eine Region wie Ostwestfalen zumindest teilweise. Nach Zahlen der Möbelverbände waren 2025 allein 27 Küchenmöbelproduzenten in Ostwestfalen-Lippe ansässig. Sie erzielten einen Produktionswert von rund 3,35 Milliarden Euro und konnten damit das Vorjahresniveau halten. Nordrhein-Westfalen insgesamt steht für knapp 40 Prozent der deutschen Möbelproduktion.

Ganz unberührt bleibt die Region von der Krise dennoch nicht. Das gesamte verarbeitende Gewerbe in Ostwestfalen verzeichnete 2025 einen Umsatzrückgang von 3,1 Prozent auf knapp 45 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten um 2,8 Prozent.

Unsere Meinung: Für Ostwestfalen sind die aktuellen Zahlen Warnsignal und Hoffnungsschimmer zugleich. Die Möbelkrise ist längst kein weit entferntes Branchenproblem, sondern betrifft einen industriellen Kern unserer Region. Umso wichtiger ist, dass sich gerade die Küchenhersteller bislang vergleichsweise stabil zeigen. Eine echte Entwarnung ist das aber noch nicht: Ohne mehr Wohnungsbau und wieder mehr Vertrauen bei den Verbrauchern dürfte auch für die starken Unternehmen in Ostwestfalen 2026 ein schwieriges Jahr bleiben.