Ausbildungsmarkt unter Druck: 8% weniger neue Azubis in Ostwestfalen

In Ostwestfalen gibt es acht Prozent weniger neue Azubis. Gleichzeitig sind noch rund 1.000 Ausbildungsplätze unbesetzt.

Der Ausbildungsmarkt in Ostwestfalen startet mit einem deutlichen Rückgang in den Herbst. Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld hat bislang rund 5.700 neue Ausbildungsverträge registriert. Das sind acht Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres. Gleichzeitig suchen zahlreiche Betriebe weiterhin Nachwuchs: Rund 1.000 Ausbildungsplätze sind nach Angaben der IHK noch frei.

Besonders deutlich fällt der Rückgang bei den gewerblich-technischen Berufen aus. Hier wurden mehr als neun Prozent weniger Verträge abgeschlossen. Bei den kaufmännischen Ausbildungsberufen beträgt das Minus sieben Prozent. Für eine Region mit vielen Industrieunternehmen, Maschinenbauern und mittelständischen Familienbetrieben ist diese Entwicklung bemerkenswert. Gerade in technischen Berufen werden in den kommenden Jahren viele gut ausgebildete Fachkräfte benötigt.

Dass freie Stellen und junge Menschen nicht automatisch zusammenfinden, zeigen auch die aktuellen Zahlen der Arbeitsagenturen. Im Kreis Gütersloh waren Ende August noch 453 Ausbildungsplätze unbesetzt, während 369 junge Menschen weiter nach einer Stelle suchten. In Bielefeld sieht das Bild anders aus: Dort standen 518 noch unversorgten Bewerbern lediglich 205 gemeldete freie Ausbildungsstellen gegenüber.

Auch innerhalb Ostwestfalens gibt es erhebliche Unterschiede. Im Kreis Paderborn waren Ende August noch 488 Ausbildungsplätze unbesetzt und 331 Bewerber ohne Stelle. Im Kreis Höxter kamen sogar 372 freie Stellen auf lediglich 181 noch suchende Bewerber. Die Statistiken der Arbeitsagentur und der IHK sind wegen unterschiedlicher Zuständigkeitsbereiche zwar nicht direkt miteinander vergleichbar, sie zeigen aber dasselbe Grundproblem: Angebot und Nachfrage passen vielerorts nicht zusammen.

Das ist kein rein ostwestfälisches Phänomen. Nach der aktuellen Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer konnte zuletzt etwa jeder zweite befragte Betrieb nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Gleichzeitig reduzieren inzwischen mehr Unternehmen ihr Ausbildungsangebot, als zusätzliche Plätze zu schaffen. Wirtschaftliche Unsicherheit und fehlende geeignete Bewerber treffen damit aufeinander.

Unsere Meinung: Für Ostwestfalen ist der Rückgang um acht Prozent ein Warnsignal. Eine wirtschaftlich starke Region kann es sich auf Dauer nicht leisten, dass Betriebe Nachwuchs suchen und gleichzeitig junge Menschen ohne Ausbildungsplatz bleiben. Berufsorientierung muss deshalb früher und praktischer werden. Vor allem aber sollten Unternehmen stärker zeigen, welche Karriere- und Verdienstmöglichkeiten eine Ausbildung heute tatsächlich bietet. Die rund 1.000 freien Stellen zeigen: Für viele Jugendliche ist der Zug für 2026 noch längst nicht abgefahren.