Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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NRW-Kommunen fehlt Geld für marode Schwimmbäder. Sanierungen stocken, Schwimmunterricht, Vereine und Lebensqualität leiden darunter.

In vielen Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens entscheidet sich derzeit, wie lange noch geschwommen werden kann. Zahlreiche Hallen- und Freibäder sind in die Jahre gekommen, während den Kommunen das Geld für neue Dächer, moderne Heizungen, sanierte Becken und eine zeitgemäße Wassertechnik fehlt. Was lange notdürftig repariert wurde, lässt sich vielerorts nicht mehr aufschieben.
Die finanzielle Lage der Städte verschärft das Problem. Nordrhein-Westfalens Kommunen verzeichneten zuletzt ein Haushaltsdefizit von rund elf Milliarden Euro. Nur zehn der insgesamt 396 Städte und Gemeinden sollen einen ausgeglichenen Haushalt erreicht haben. Wenn gleichzeitig Schulen, Straßen und öffentliche Gebäude saniert werden müssen, gerät das Schwimmbad schnell unter Druck.
Dabei geht es längst nicht nur um Freizeitvergnügen. Hallenbäder werden für den Schwimmunterricht, die Arbeit der Vereine, Reha-Angebote und den Gesundheitssport gebraucht. Fehlt ein wohnortnahes Bad, verbringen Schulklassen einen erheblichen Teil ihrer Unterrichtszeit im Bus. Nach Angaben der DLRG können 20 Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren überhaupt nicht schwimmen. Der Anteil hat sich gegenüber 2017 verdoppelt.
Wo das Schwimmbad schließt, verliert eine Kommune mehr als ein Becken – sie verliert einen Ort für Bildung, Gesundheit und Gemeinschaft.
Wie ernst die Lage ist, zeigt auch die Entwicklung der Bäderlandschaft. Nach einer Auswertung des WDR gab es in Nordrhein-Westfalen 2001 noch 1.401 Frei-, Hallen- und Kombibäder. Heute sollen nur noch rund 700 Anlagen in Betrieb sein. Zusätzlich fehlen nach Einschätzung von Fachleuten mehrere Hundert qualifizierte Beschäftigte. Krankheitsfälle oder unbesetzte Stellen führen deshalb immer häufiger zu eingeschränkten Öffnungszeiten.
Förderprogramme von Bund und Land sollen helfen. Nordrhein-Westfalen hat 200 Millionen Euro speziell für Schwimmbäder vorgesehen. Der Bund stellte weitere 250 Millionen Euro bereit. Doch allein für das Bundesprogramm wurden 960 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 3,2 Milliarden Euro eingereicht – mehr als das Zwölffache der verfügbaren Summe.
Auch in Ostwestfalen müssen Städte und Gemeinden deshalb genau überlegen, welche Bäder sie erhalten, zusammenlegen oder grundlegend modernisieren können. Ohne eine verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre bleiben viele Vorhaben Stückwerk.
Unsere Meinung: Ein Schwimmbad ist keine verzichtbare Luxusausgabe. Wer heute bei Sanierung und Schwimmunterricht spart, bezahlt später mit fehlender Sicherheit, weniger Gesundheitsangeboten und einem weiteren Verlust kommunaler Lebensqualität.