Schweinehalter in Ostwestfalen kämpfen um ihre Zukunft

Schweinehalter in Ostwestfalen kämpfen mit niedrigen Preisen, steigenden Kosten und fehlender Planungssicherheit für ihre Familienbetriebe.

Der Preissturz am Schweinemarkt bringt viele landwirtschaftliche Betriebe in Ostwestfalen-Lippe in eine schwierige Lage. Die maßgebliche VEZG-Notierung für Schlachtschweine liegt derzeit bei nur 1,40 Euro je Indexpunkt. Damit ist der Preis innerhalb kurzer Zeit deutlich gefallen und liegt rund ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahres. Besonders im Kreis Höxter wächst die Sorge der Schweinehalter, dass weitere Höfe die Tierhaltung aufgeben könnten.

Antonius Tillmann aus Warburg, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe, spricht von einer dramatisch zugespitzten Situation. Niedrige Erlöse seien nur ein Teil des Problems. Gleichzeitig müssten die Betriebe höhere Ausgaben für Futter, Energie, Personal und den Umbau ihrer Ställe tragen. Gerade in der Sauenhaltung stehen Investitionen an, die über viele Jahre finanziert werden müssen. Wer heute einen Stall für mehrere Hunderttausend Euro modernisieren soll, braucht Planungssicherheit. Genau diese fehlt vielen Familienbetrieben.

Die Entwicklung ist längst in den Statistiken sichtbar. Anfang Mai 2026 gab es in Nordrhein-Westfalen noch 5.010 Betriebe mit Schweinehaltung. Zehn Jahre zuvor waren es fast 7.500. Im gleichen Zeitraum sank der Tierbestand von rund 7,2 Millionen auf etwa 5,88 Millionen Schweine. Zwar lag die Zahl der Tiere zuletzt leicht über dem Vorjahreswert, doch der Rückgang der Höfe setzt sich fort. Immer mehr Tiere werden damit auf immer weniger Betrieben gehalten.

Für Ostwestfalen ist das mehr als eine Frage einzelner landwirtschaftlicher Existenzen. An der Schweinehaltung hängen Schlachtereien, Futtermittelhersteller, Tierärzte, Handwerksbetriebe und weitere Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Verschwindet ein Hof, gehen häufig auch regionale Wirtschaftskreisläufe verloren. Zugleich wächst die Abhängigkeit von Fleischimporten aus Ländern, in denen möglicherweise andere Standards gelten.

Wer regionale Landwirtschaft erhalten will, darf höhere Standards nicht fordern, ohne den Höfen eine wirtschaftliche Zukunft zu ermöglichen.

Hinzu kommt ein Widerspruch, der viele Bauern seit Jahren beschäftigt: Im Supermarkt wird stärker auf Tierwohl und Herkunft geachtet, beim Einkauf entscheidet aber häufig weiterhin der Preis. Höhere Anforderungen lassen sich dauerhaft nur finanzieren, wenn die Mehrkosten entlang der gesamten Kette getragen werden – vom Handel über die Gastronomie bis zum Verbraucher.

Die Landwirte fordern deshalb faire Preise, verlässliche politische Vorgaben und eine deutlichere Herkunftskennzeichnung. Auch in Restaurants, Kantinen und bei verarbeiteten Lebensmitteln soll erkennbar sein, woher das Fleisch stammt. Das allein wird die Krise nicht lösen, könnte heimischen Betrieben aber bessere Chancen verschaffen.

Unsere Meinung: Es darf sich die Politik nicht darauf beschränken, immer neue Anforderungen zu beschließen und die Finanzierung anschließend den Höfen zu überlassen. Wer regionale Lebensmittel, höhere Tierwohlstandards und lebendige Dörfer erhalten will, muss dafür verlässliche Bedingungen schaffen. Andernfalls entscheidet am Ende nicht der bessere Stall über die Zukunft der Schweinehaltung, sondern allein der niedrigste Preis.

Weitere Informationen: it.nrw