Ostwestfalen.nrw
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NRW bleibt wirtschaftlich stark, doch Industrie, Infrastruktur & Investitionen schwächeln. Die IW-Studie zeigt dringenden Handlungsbedarf vor 2027.

Nordrhein-Westfalen bleibt das wirtschaftliche Schwergewicht der Republik. 909,4 Milliarden Euro wurden hier 2025 erwirtschaftet, mehr als in jedem anderen Bundesland. Nach zwei schwächeren Jahren gab es wieder ein kleines Plus: preisbereinigt legte die NRW-Wirtschaft um 0,3 Prozent zu, knapp über dem Bundesdurchschnitt. Doch hinter dieser Zahl steckt keine Entwarnung, sondern eher ein Aufatmen auf niedrigem Niveau.
Das zeigt auch das neue Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft, das Unternehmer NRW in Düsseldorf vorgestellt hat. Der Verband spricht von einer „außerordentlich schwierigen Wirtschaftslage“ und drängt die Parteien, das Thema Wirtschaft im Landtagswahlkampf 2027 ganz nach oben zu setzen. Besonders hart trifft es die Industrie: Laut Unternehmerpräsident Arndt G. Kirchhoff verliert NRW derzeit Monat für Monat rund 3.000 Industriearbeitsplätze. Die Industrieproduktion liege gegenüber 2018 um mehr als ein Fünftel niedriger.
Amtliche Zahlen stützen den Befund, auch wenn sie einzelne Lichtblicke zeigen. IT.NRW meldete für Dezember 2025 zwar ein Produktionsplus von 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Februar 2022, also dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, lag die Industrieproduktion aber weiterhin elf Prozent niedriger. Die energieintensive Industrie, zu der viele Betriebe an Rhein und Ruhr gehören, war besonders betroffen.
Das IW sieht die Ursachen nicht nur in hohen Energiepreisen. Die Kölner Forscher nennen marode Brücken, überlastete Schienenwege, langsame Genehmigungen, zu wenig Tempo bei der Verwaltungsdigitalisierung und Schwächen im Bildungssystem. NRW habe starke Hochschulen, eine breite industrielle Basis und gute Ansätze bei Glasfaser, 5G und Rechenzentren. Genutzt werde dieses Potenzial aber zu oft nur halb. Bei Forschungsausgaben je Einwohner landet das Land laut Studie nur im unteren Mittelfeld. Bei Firmengründungen insgesamt liegt NRW zwar leicht über dem Bundesdurchschnitt, bei innovativen Start-ups und Hightech-Gründungen aber nur im Mittelfeld der Länder.
Auch die Stimmung in den Betrieben bleibt angespannt. Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima sank im Juni wieder leicht auf minus 17,4 Punkte. In der Industrie hellte sich die Stimmung zwar auf, doch sie blieb mit minus 21,4 Punkten deutlich negativ. Handel und Bau meldeten etwas bessere Erwartungen, der Dienstleistungssektor zog den Gesamtwert nach unten.
Für die Landesregierung ist das eine unbequeme Ausgangslage. Das RWI erwartet für 2026 nur 0,5 Prozent Wachstum in NRW und verweist darauf, dass höhere Energiekosten gerade Chemie und Metallerzeugung erneut belasten. Eine spürbarere Erholung wird erst für 2027 prognostiziert.
Die Botschaft aus dem Gutachten ist deshalb weniger Alarmismus als Arbeitsauftrag: NRW ist nicht arm an Möglichkeiten, aber es verliert Zeit. Für viele Betriebe im Land entscheidet sich jetzt, ob aus Investitionsplänen neue Maschinen, neue Stellen und neue Produkte werden – oder ob sie weiter in der Schublade bleiben.
Weitere Informationen: unternehmer.nrw