Ostwestfalen gründet wieder: Viele wagen nebenbei den Start

Ostwestfalen verzeichnet 2025 so viele Gründungen wie lange nicht – besonders Nebenerwerbsgründungen treiben den regionalen Aufschwung.

In Ostwestfalen ist 2025 wieder spürbar mehr Unternehmergeist unterwegs gewesen. Nach dem neuen Gründungsreport der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld wurden im vergangenen Jahr 11.955 Gewerbe angemeldet. Das sind 9,5 Prozent mehr als 2024 und zugleich der höchste Stand seit 2010. Gleichzeitig gingen die Gewerbeabmeldungen auf 7.943 zurück. Unter dem Strich bleibt damit ein Plus von 4.012 Gründungen.

Auffällig ist: Der Aufschwung kommt nicht nur aus den großen Zentren. Zwar bleibt Bielefeld ein wichtiger Standort für neue Geschäftsideen, doch die Entwicklung zieht sich durch die ganze Region. Besonders stark legte der Kreis Herford zu, wo die IHK ein Plus von 51,3 Prozent registriert. Auch in den Kreisen Paderborn und Höxter stiegen die Zahlen deutlich. Zuwächse meldet die Kammer zudem aus Minden-Lübbecke, Gütersloh und Bielefeld.

Getragen wird die Bewegung vor allem von Menschen, die ihre Selbstständigkeit zunächst neben dem Beruf ausprobieren. Die Zahl der Nebenerwerbsgründungen stieg laut IHK um 31,2 Prozent. Erstmals seit 2021 gab es damit wieder mehr Gründungen im Neben- als im Haupterwerb. Gerade für Jüngere scheint das Modell attraktiv zu sein: Eine Idee testen, erste Kunden finden, aber das regelmäßige Einkommen zunächst behalten. In unsicheren Zeiten ist das für viele offenbar der gangbare Weg.

Dass es dabei nicht nur um kleine Nebenprojekte geht, zeigt ein zweiter Blick in den Report. Auch Unternehmen mit Handelsregistereintrag, also etwa GmbHs oder UGs, legten zu. Diese Gründungen gelten häufig als stärker auf Wachstum, Investitionen und Arbeitsplätze ausgerichtet. Für die Region ist das ein wichtiges Signal, denn neue Firmen bringen nicht nur zusätzliche Angebote, sondern oft auch neue Netzwerke, Aufträge und Beschäftigung.

Der Schwerpunkt der Gründungen liegt weiter im Dienstleistungsbereich. Rund zwei Drittel der Gründerinnen und Gründer starten dort, besonders häufig mit unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Der Handel bleibt ebenfalls stark vertreten, zunehmend mit digitalen Geschäftsmodellen. Frauen gründen weiterhin seltener als Männer; ihr Anteil liegt bei 29,3 Prozent.

Ostwestfalen liegt mit dieser Entwicklung im Bundestrend. Auch deutschlandweit stieg 2025 die Zahl der Gewerbeneugründungen deutlich. In Nordrhein-Westfalen wurden im selben Jahr 166.786 Gewerbe angemeldet. Hinter den Zahlen stehen aber vor allem Menschen wie Christina und Björn Schindler aus Vlotho. Mit ihrer German Horse Tech GmbH entwickelten sie aus einem Problem im eigenen Stall eine technische Lösung für staubärmeres Heu. Solche Geschichten zeigen, was Gründung hier oft bedeutet: genau hinschauen, ein Problem anpacken und daraus ein Geschäft machen.

Weitere Informationen: ihk.de