Interlübke bleibt in OWL: Langhorst-Gruppe sichert Neustart

Interlübke bleibt in Rheda-Wiedenbrück: Ein regionaler Investor übernimmt den Möbelhersteller und sichert die Arbeitsplätze der Traditionsmarke.

Rheda-Wiedenbrück. Nach Wochen der Ungewissheit gibt es für den traditionsreichen Möbelhersteller Interlübke eine Zukunft. Die Langhorst-Gruppe aus Rietberg übernimmt das insolvente Unternehmen und will den Betrieb am bisherigen Standort fortführen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters bleiben 87 Arbeitsplätze sowie die Ausbildungsplätze erhalten. Rund 15 Beschäftigte verlassen das Unternehmen freiwillig; auch die bisherigen Gesellschafter Frank und Ralf Oehmke scheiden aus.

Die Lübke GmbH hatte Ende April 2026 beim Amtsgericht Bielefeld einen Insolvenzantrag gestellt. Die Produktion in Rheda-Wiedenbrück lief während des Verfahrens weiter, während parallel nach einem Investor gesucht wurde. Als Belastungen nannte das Unternehmen vor allem stark gestiegene Energie- und Beschaffungskosten sowie die schwache Nachfrage im gehobenen Möbelsegment. Das rund 25.000 Quadratmeter große Werk wird noch mit Öl beheizt. Laut Insolvenzverwalter entstanden dadurch zeitweise monatliche Mehrkosten von etwa 50.000 Euro. Hinzu kamen häufige Preisaufschläge bei Transporten, Holz und Lacken.

Ganz überraschend kam die wirtschaftliche Schieflage dennoch nicht. Der Premiumhersteller hatte bereits 2012 ein Insolvenzverfahren durchlaufen und in den folgenden Jahren mehrfach den Eigentümer gewechselt. Seit 2022 gehörte das Unternehmen zur Domovari-Gruppe. Die damalige Geschäftsführung verwies zuletzt darauf, die Verluste deutlich reduziert zu haben: von rund 1,5 Millionen Euro auf etwa 250.000 Euro im Jahr 2025. Für die zusätzlichen Belastungen des Frühjahrs reichten die Reserven offenbar trotzdem nicht mehr aus.

Mit der Langhorst-Gruppe kommt nun ein Käufer aus unmittelbarer Nachbarschaft. Zwischen Rietberg und Rheda-Wiedenbrück liegen nur wenige Kilometer. Das Familienunternehmen kennt die Möbelbranche und betreibt bereits Produktionsstandorte in Rietberg, Lippstadt-Rebbeke und im bosnischen Cazin. Für Interlübke ist diese regionale und fachliche Nähe ein Vorteil: Der neue Eigentümer übernimmt nicht nur eine bekannte Marke, sondern auch erfahrene Beschäftigte, handwerkliches Wissen und ein über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk.

Die Übernahme bewahrt nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch ein Stück ostwestfälischer Möbelgeschichte.

Interlübke wurde 1937 von Leo und Hans Lübke gegründet und machte sich mit hochwertigen, klar gestalteten Möbeln einen Namen. Dass diese Geschichte nun weitergeschrieben werden kann, ist deshalb mehr als eine gewöhnliche Firmenübernahme.

Unsere Meinung: Die Rettung ist eine gute Nachricht für Rheda-Wiedenbrück und die gesamte ostwestfälische Möbelregion. Entscheidend wird allerdings sein, ob der neue Eigentümer nicht nur Kosten senkt, sondern die Marke behutsam weiterentwickelt und gleichzeitig den Standort modernisiert. Tradition allein trägt kein Unternehmen – verbunden mit klarem Design, zeitgemäßer Produktion und regionaler Verantwortung kann sie aber wieder zu einer echten Stärke werden.