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32052 Herford
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interlübke aus Rheda-Wiedenbrück meldet Insolvenz an – Iran-Krieg und Energiekosten treffen Traditionsmarke aus Ostwestfalen mit voller Wucht.

Der Möbelhersteller interlübke, seit fast neun Jahrzehnten eine feste Größe in der ostwestfälischen Möbellandschaft, hat Ende April 2026 beim Amtsgericht Bielefeld einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Yorck Streitbörger von der Bielefelder Kanzlei Streitbörger bestellt. Für die Region ist die Nachricht ein Schlag — und für die Belegschaft kam sie offenbar überraschend. Betriebsratsvorsitzender Frank van Deursen beschrieb den Moment als einen Blitz aus heiterem Himmel: „Die Nachricht hat uns alle überrascht.„
Als unmittelbarer Auslöser gilt der eskalierende Konflikt im Nahen Osten. Mitgesellschafter Ralf Oehmke erklärte gegenüber der WirtschaftsWoche: Das Werk in Rheda-Wiedenbrück wird noch immer mit Öl beheizt — und durch die geopolitischen Verwerfungen schossen die Energiepreise in Dimensionen, die kalkulatorisch nicht mehr abzufangen waren. Dazu kommen Kostensteigerungen auf der ganzen Lieferkette: Oehmke berichtete von wöchentlichen Preiserhöhungen durch Spediteure sowie Holz- und Lacklieferanten, während verunsicherte Verbraucher zugleich größere Anschaffungen aufschieben.
Besonders bitter ist der Zeitpunkt. Die Zahlen zeigten eigentlich eine klare Aufwärtsbewegung: Das Minus sank von 1,5 Millionen Euro im Jahr 2022 auf nur noch 250.000 Euro im Jahr 2025. Für 2026 waren erstmals wieder echte Gewinne eingeplant. Investitionen in eine 5-Achs-CNC-Anlage, ein modernes Flächenlager und Erweiterungen des Sortiments — unter anderem durch die Lizenzproduktion von Möbeln der Marke Hülsta — hatten das Unternehmen schrittweise modernisiert. Die externe Kostenwelle kam zu früh, um noch aufgefangen zu werden.
Mehr als 100 Beschäftigte am Standort sind betroffen. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst weiterlaufen, parallel wird nach einem Investor gesucht. Die Löhne sind durch Insolvenzgeld für die kommenden Monate gesichert — eine zumindest kurzfristige Stabilität für die Familien der Mitarbeiter.
interlübke steht nicht allein. Die gesamte Möbelindustrie kämpft seit Längerem mit schwacher Konsumstimmung, während viele Verbraucher größere Anschaffungen wegen Energiepreisen, Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit verschieben. Die Branche verlor in den vergangenen Jahren weitere bekannte Namen: Hülsta wurde nach seiner Insolvenz endgültig abgewickelt, Wayfair zog sich vom deutschen Markt zurück.
Für das Unternehmen ist es nicht die erste Krise dieser Art. Bereits 2012 stellte interlübke beim Amtsgericht Bielefeld einen Insolvenzantrag; im Januar 2013 gelang ein Neustart in Form einer übertragenden Sanierung. Ob diesmal ein ähnlicher Weg gelingt, hängt davon ab, ob ein geeigneter Investor gefunden werden kann. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Marke — 1937 von den Brüdern Hans und Leo Lübke in Wiedenbrück gegründet und einst so bekannt, dass selbst Prinzessin Margaret bei einem Deutschlandbesuch in interlübke-Möbeln schlief — erneut eine Zukunft hat.
Weitere Informationen: interluebke.com