Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
Warsteiner treibt den Konzernumbau voran: Neuer Chef, Standortschließungen in Herford und ungewisse Zukunft der Paderborner Brauerei in OWL

Bei der Haus Cramer Gruppe wird der Umbau mit hohem Tempo fortgesetzt. Der Warsteiner-Mutterkonzern hat mit Bodo-Joachim Wendenburg einen erfahrenen Restrukturierungsmanager an die Spitze geholt. Für Ostwestfalen ist die Personalie besonders relevant: Die Schließung der Herforder Brauerei steht unmittelbar bevor, über die Zukunft des Standorts Paderborn soll im Herbst 2026 entschieden werden.
Wendenburg gehört der Geschäftsführung seit dem 23. Juli 2026 an und war zuvor bereits mehrere Monate beratend für die Unternehmensgruppe tätig. Nach Angaben von Inhaberin Catharina Cramer soll er insbesondere die Restrukturierung angesichts der schwierigen Lage auf dem deutschen Biermarkt verantworten.
Die Auswirkungen dieses Kurses sind in Ostwestfalen längst sichtbar. Die Produktion der Herforder Brauerei in Hiddenhausen soll Ende August 2026 eingestellt werden. Die Marke Herforder bleibt zwar bestehen, gebraut wird das Bier künftig jedoch in Warstein. Ähnlich könnte es Paderborner treffen. Für die Brauerei in Paderborn wird weiterhin ein Käufer gesucht. Eine Entscheidung wird für den Herbst erwartet. Scheitert der Verkauf, soll auch dort die Produktion zum Jahresende enden. Insgesamt reduziert die Haus Cramer Gruppe ihre Kapazitäten durch die Trennung von den beiden ostwestfälischen Standorten um rund 30 Prozent.
Herforder und Paderborner sind mehr als Biermarken – sie sind ein Stück ostwestfälischer Wirtschaftsgeschichte.
Für die Beschäftigten ist inzwischen zumindest ein finanzielles Auffangnetz vereinbart. Der mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ausgehandelte Sozialtarifvertrag betrifft rund 220 Mitarbeiter in Herford und Paderborn. Neben Abfindungen bietet die Gruppe 50 Arbeitsplätze am Stammsitz in Warstein an. Wer für einen neuen Arbeitsplatz umzieht, kann zudem finanzielle Unterstützung erhalten.
Auch organisatorisch wird weiter gestrafft. Handelsvertriebschef Marco Schulze verlässt das Unternehmen. Handelsvertrieb, Lohnbraugeschäft und Export werden zusammengeführt; Adriano Leo übernimmt die Verantwortung für den neuen Bereich.
Der Konzern reagiert damit auf einen Biermarkt, der seit Jahren schrumpft. 2025 sank der Bierabsatz in Deutschland um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter – der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik im Jahr 1993. Auch die Zahl der Brauereien ist weiter gesunken.
Unsere Meinung: Dass Warsteiner seine Strukturen an einen schrumpfenden Markt anpassen muss, ist wirtschaftlich nachvollziehbar. Für Ostwestfalen bleibt dennoch ein bitterer Beigeschmack. Herforder und Paderborner sind nicht einfach Produktionsstandorte, sondern Namen mit jahrzehntelanger regionaler Geschichte. Eine Marke kann man an einem anderen Ort weiterbrauen – ihre Verwurzelung lässt sich nicht so leicht verlagern. Umso wichtiger wäre es, zumindest für Paderborn noch eine Lösung zu finden, die Produktion und Arbeitsplätze in der Region erhält.