Frisches Werkzeug für Ostwestfalens Fachkräfte von morgen

Die Handwerkskammer Ostwestfalen investiert 7,6 Millionen Euro in moderne Ausbildungstechnik am Campus Handwerk in Bielefeld.

Wer am Campus Handwerk in Bielefeld lernt, soll künftig an Geräten arbeiten, die näher an der Wirklichkeit in den Betrieben sind. Die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe investiert rund 7,6 Millionen Euro in die Ausstattung ihrer Bildungsstätte. Den Löwenanteil übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen: Fast sieben Millionen Euro fließen als Förderung, der Eigenanteil der Kammer liegt bei rund 700.000 Euro.

Den Förderbescheid übergab Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling bei einem Besuch am Campus Handwerk. Für die HWK ist die Zusage mehr als eine willkommene Finanzspritze. Sie entscheidet darüber, wie schnell die Modernisierung tatsächlich vorankommt. Ohne die Förderung, so machte Hauptgeschäftsführer Dr. Jens Prager deutlich, hätte vieles nur Schritt für Schritt erneuert werden können.

Das meiste Geld geht in die Elektrotechnik und in das Kompetenzzentrum für intelligente Gebäudetechnologien. Rund 2,6 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Dort geht es längst nicht mehr nur um Schalter, Leitungen und Sicherungen, sondern um vernetzte Gebäude, Energieeffizienz und digitale Steuerung. Weitere rund 1,7 Millionen Euro fließen in den Metallbau, besonders in Pneumatik und moderne Metallbearbeitung. Auch die Kfz-Technik, das Friseurhandwerk, Konditoren, Zahntechnik, Fügetechnik, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie kaufmännische und gewerkeübergreifende Räume sollen profitieren.

Moderne Ausbildung braucht moderne Werkstätten – sonst bleibt der Fachkräftenachwuchs schon beim Lernen hinter der Praxis zurück.

Die Investition kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Handwerk in OWL viel schultern muss. Nach aktuellen Kammerangaben gibt es im Bezirk 22.864 Mitgliedsbetriebe. Rund 215.000 Menschen arbeiten im regionalen Handwerk, mehr als 10.000 junge Menschen stehen in Ausbildung. Gleichzeitig suchen viele Betriebe Nachwuchs. Die Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld wies zuletzt darauf hin, dass 2026 für Jugendliche besonders gute Chancen bietet, weil durch die Rückkehr von G8 zu G9 ein Abiturjahrgang ausfällt und Bewerber knapper werden.

Gerade deshalb zählt, was in Bielefeld jetzt angeschafft wird. Wer Wärmepumpen einbaut, E-Autos wartet, Gebäude vernetzt oder Metallteile digital unterstützt fertigt, braucht keine Museumswerkstatt, sondern Technik, die im Betrieb morgen wieder auftaucht.

Unsere Meinung: Diese Millionen sind gut angelegt. Straßen sieht man sofort, neue Maschinen in einer Bildungsstätte nicht. Aber genau dort entscheidet sich, ob OWL genug Fachleute für Energiewende, Reparatur, Bau und Alltag bekommt.

Weitere Informationen: handwerk-owl.de