Erdmandelgras bedroht Ostwestfalens Äcker

Invasives Erdmandelgras breitet sich in Ostwestfalen aus und bedroht zunehmend Ernten, Böden sowie die wirtschaftliche Existenz der Landwirte.

Auf den ersten Blick wirkt die Pflanze harmlos. Hellgrüne, schmale Blätter, ein dreikantiger Stängel, später gelblich-braune Blütenstände: Das Erdmandelgras fällt zwischen Mais, Kartoffeln oder Rüben kaum auf. Für landwirtschaftliche Betriebe kann der unscheinbare Neuzugang jedoch zum jahrelangen Problem werden. Auch in Ostwestfalen-Lippe wächst deshalb die Sorge, dass sich das invasive Sauergras auf weitere Flächen ausbreitet.

Die Pflanze stammt ursprünglich aus Ostafrika. Nach Europa gelangte sie vermutlich über Pflanzgut und Blumenzwiebeln; als Erdmandel oder Zyperngras wird sie außerdem als Nutz- und Zierpflanze angeboten. Gefährlich wird es, wenn Knollen mit Gartenabfällen, Erde oder Maschinen auf Äcker gelangen. Dort bildet das Gras unterirdische Ausläufer und zahlreiche kleine Knöllchen. Aus einer einzigen Erdmandel können innerhalb einer Vegetationsperiode mehrere hundert neue entstehen.

Gerade für eine Ackerbauregion wie OWL ist das keine Randnotiz. Kartoffeln, Zuckerrüben, Möhren und Zwiebeln gehören zu den besonders gefährdeten Kulturen. Das Erdmandelgras konkurriert um Licht, Wasser und Nährstoffe. Bei starkem Befall kann sich der Anbau wirtschaftlich kaum noch lohnen. Die Knöllchen überstehen Frost, bleiben über viele Jahre keimfähig und werden durch Ernte- und Bodenbearbeitungsmaschinen von Feld zu Feld verschleppt.

Die zunehmende Ausbreitung des Erdmandelgrases führt bereits heute zu spürbaren Einschränkungen“, warnt Arne Dahlhoff, Direktor der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Auf stark befallenen Flächen sei der wirtschaftliche Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben, Möhren oder Zwiebeln kaum noch möglich.

Wie schnell aus einzelnen Funden ein flächiges Problem werden kann, zeigt der Blick ins benachbarte Niedersachsen. Dort beziffert die Landwirtschaftskammer die betroffene Fläche inzwischen auf rund 200.000 Hektar. Besonders wohl fühlt sich die wärmeliebende Pflanze in Sommerkulturen und auf Flächen, die häufig bearbeitet werden. Heiße Sommer spielen ihr zusätzlich in die Karten.

Einfache Lösungen gibt es bislang nicht. Herbizide treffen vor allem die oberirdischen Pflanzenteile, nicht aber die Mandeln im Boden. Auf Versuchsflächen gelten langjährige Schwarzbrache, wiederholte Bodenbearbeitung und eine veränderte Fruchtfolge als mögliche Maßnahmen. Selbst damit ist eine vollständige Beseitigung nicht sicher. Entscheidend bleibt deshalb, einen Befall früh zu entdecken. Einzelne Pflanzen müssen samt umliegendem Boden entfernt werden. Maschinen sollten noch auf dem betroffenen Feld gründlich gereinigt werden, damit anhaftende Erde nicht zum nächsten Betrieb gelangt.

Das Land Nordrhein-Westfalen und die Landwirtschaftskammer arbeiten inzwischen an praxistauglichen Strategien. Nötig ist aber auch Aufmerksamkeit außerhalb der Höfe. Pflanzen, die im Handel attraktiv und pflegeleicht wirken, können in der freien Landschaft erhebliche Schäden verursachen.

Unsere Meinung: Wer invasive Arten verkauft, muss deutlich über Risiken und die richtige Entsorgung informieren. Die Verantwortung allein bei den Landwirten abzuladen, wäre zu bequem. Vorbeugung beginnt nicht erst am Ackerrand, sondern bereits im Pflanzenregal.

Weitere Informationen: mlv.nrw.de