Brigitte Küchen in Hiddenhausen erneut in Insolvenz

Brigitte Küchen in Hiddenhausen ist erneut insolvent. Für den Küchenhersteller ist es bereits das dritte Verfahren seit 2020.

Beim Hiddenhausener Küchenhersteller Brigitte Küchen gibt es erneut ernste wirtschaftliche Probleme. Die H. Frickemeier Möbelwerk GmbH hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Für das traditionsreiche Unternehmen ist es bereits das dritte Verfahren dieser Art innerhalb von sechs Jahren. Rund 115 Beschäftigte am Standort in Hiddenhausen blicken damit erneut in eine ungewisse Zukunft.

Als wesentlichen Auslöser für die aktuelle finanzielle Schieflage nennt Inhaber Steffen Liebich die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf wichtige Absatzmärkte im Nahen Osten. Nach seinen Angaben seien Bauaktivitäten in mehreren arabischen Staaten weitgehend zum Stillstand gekommen. Das trifft einen Küchenhersteller besonders dann, wenn größere Projekte und internationale Aufträge kurzfristig ausfallen. Die Belegschaft wurde während der derzeit laufenden Betriebsferien über den Insolvenzantrag informiert.

Für Brigitte Küchen ist die Situation nicht neu. Bereits 2020 durchlief das Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Die damalige Sanierung konnte Anfang 2022 abgeschlossen werden. Im April 2024 folgte jedoch das nächste Verfahren. Auch dieses endete zunächst erfolgreich: Im Oktober 2024 stimmten die Gläubiger dem Sanierungsplan einstimmig zu, anschließend hob das Amtsgericht Bielefeld die Eigenverwaltung auf.

Noch 2025 gewann der Standort Hiddenhausen zusätzlich an Bedeutung. Die Produktion von RWK und Kuhlmann Küchen wurde nach der Schließung des Werks in Löhne teilweise nach Hiddenhausen verlagert. Bestehende und neue Aufträge sollten dort gefertigt werden.

Die erneuten Schwierigkeiten kommen allerdings in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Die deutsche Möbelindustrie setzte 2025 rund 3,4 Prozent weniger um als im Vorjahr. Besonders der schwache Wohnungsbau und die Zurückhaltung der Verbraucher belasten die Hersteller. Für eine Region wie Ostwestfalen, in der die Küchen- und Möbelindustrie traditionell eine wichtige Rolle spielt, sind solche Entwicklungen besonders spürbar.

Nach Berichten soll die Produktion in Hiddenhausen nach den Betriebsferien wieder aufgenommen werden. Entscheidend wird nun sein, ob es gelingt, die Finanzierung zu stabilisieren und verloren gegangene Aufträge durch neue Geschäfte zu ersetzen.

Unsere Meinung: Eine dritte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren ist mehr als ein vorübergehender Rückschlag. Dass Brigitte Küchen erneut versucht, den Betrieb über eine Eigenverwaltung zu sichern, ist für die Beschäftigten und den Standort Hiddenhausen zunächst positiv. Gleichzeitig muss diesmal eine Lösung gefunden werden, die nicht nur die nächste Krise überbrückt. Gerade in Ostwestfalen wäre es schade, wenn ein traditionsreicher Name der Küchenindustrie dauerhaft vom Markt verschwinden würde.