Umsatzplus ohne Aufbruch: Handel in OWL bleibt unter Druck

Der Einzelhandel in Ostwestfalen wächst preisbereinigt, doch Onlinehandel, Kaufzurückhaltung und hohe Kosten verschärfen die Lage vieler Geschäfte weiter.

Die Umsätze im Einzelhandel steigen – doch bei vielen Geschäftsleuten in Ostwestfalen kommt davon wenig an. Höhere Preise lassen die Einnahmen auf dem Papier wachsen, während Kunden zurückhaltender einkaufen und die Kosten der Betriebe weiter zulegen. Von einer echten Erholung kann deshalb noch keine Rede sein.

Landesweit zeigt die Statistik zunächst eine erfreuliche Entwicklung: Der reale Einzelhandelsumsatz in Nordrhein-Westfalen lag 2025 knapp 13 Prozent über dem Stand von 2016. Hinter dieser Zahl stehen allerdings sehr unterschiedliche Entwicklungen. Besonders stark wuchsen der Versand- und Internethandel sowie der Verkauf von Informations- und Kommunikationstechnik. Der klassische Lebensmittelhandel in Verkaufsräumen setzte dagegen preisbereinigt deutlich weniger um als zehn Jahre zuvor.

Auch die Stimmung der Händler passt nicht recht zum statistischen Wachstum. Bei einer Befragung des Handelsverbandes NRW berichtete fast die Hälfte der Unternehmen von geringeren Umsätzen im Jahr 2025. Nur knapp jedes fünfte Geschäft konnte ein Plus verbuchen. Mehr als die Hälfte der Befragten war mit der eigenen Umsatzentwicklung unzufrieden.

Dieses widersprüchliche Bild ist auch in Ostwestfalen zu erkennen. Die jüngste Konjunkturumfrage der IHK zeigt zwar eine leichte Stabilisierung. Im Handel liegt der regionale Klimaindikator inzwischen wieder oberhalb der Marke von 100 Punkten. Gleichzeitig nennen die Unternehmen die schwache Inlandsnachfrage, steigende Arbeitskosten und hohe Energiepreise als zentrale Risiken.

Für die Innenstädte von Bielefeld, Gütersloh, Herford oder Paderborn bedeutet das: Mehr Umsatz in Euro heißt nicht automatisch mehr verkaufte Ware oder höhere Gewinne. Mieten, Personal, Energie, Versicherungen und Einkaufspreise müssen ebenfalls bezahlt werden. Hinzu kommt die Konkurrenz großer Onlineplattformen, die von nahezu jedem Ort aus erreichbar sind.

Wachsende Umsätze helfen wenig, wenn steigende Kosten und sinkende Verkaufsmengen den Händlern kaum noch Luft lassen.

Noch schwieriger ist die Lage häufig in kleineren Städten und Gemeinden. Dort können bereits wenige Geschäftsaufgaben sichtbare Lücken hinterlassen. Fehlen attraktive Läden, Gastronomie und erreichbare Parkmöglichkeiten, sinkt die Zahl der Besucher weiter. Der Verlust eines Geschäfts bleibt dann selten ein Einzelfall, sondern schwächt das gesamte Umfeld.

Für 2026 erwartet eine Mehrheit der befragten NRW-Händler lediglich eine stagnierende wirtschaftliche Entwicklung. Als Probleme gelten neben der Kaufzurückhaltung vor allem Bürokratie, steigende Kosten und der Attraktivitätsverlust vieler Innenstädte.

Unsere Meinung: Die steigenden Umsatzzahlen dürfen Politik und Kommunen nicht beruhigen. Entscheidend ist, ob inhabergeführte Geschäfte wirtschaftlich bestehen können. Ostwestfalens Innenstädte brauchen gute Erreichbarkeit, weniger bürokratische Hürden und gemeinsame Konzepte von Handel, Gastronomie und Stadtverwaltung – sonst bleibt vom Wachstum am Ende nur eine schöne Zahl.

Weitere Informationen: it.nrw