Strom statt Sprit: E-Autos erobern Ostwestfalens Straßen

E-Autos in OWL im Aufwind: Zulassungszahlen steigen deutlich, doch Ladeinfrastruktur hinkt regional stark hinterher – ein Überblick.

In Ostwestfalen-Lippe hat der Umstieg auf die Elektromobilität sichtbar an Tempo gewonnen. Wer derzeit durch Bielefeld, Herford oder Paderborn fährt, sieht immer häufiger Kennzeichen mit dem grün-weißen „E“ – und die Zahlen bestätigen den Eindruck, den viele Autofahrer in der Region längst haben.

Zahlen sprechen für sich

Landesweit stand Nordrhein-Westfalen bereits zum Jahresbeginn 2026 mit 454.782 zugelassenen reinen Elektroautos an der Spitze aller Bundesländer – noch vor Bayern und Baden-Württemberg. Im Juni dieses Jahres war fast jeder dritte Neuwagen im Land ein Stromer, im ersten Halbjahr lag der Elektroanteil bei den Neuzulassungen bei 26,7 Prozent und damit spürbar über dem Bundesschnitt von 24,8 Prozent. Zum Vergleich: 2025 waren es landesweit erst 20,3 Prozent – der Sprung fällt also deutlich aus.

In Ostwestfalen selbst zeigte sich der Trend schon länger: Zum Jahresbeginn 2025 waren in der Region 51.212 reine E-Autos gemeldet, ein Plus gegenüber dem Vorjahr, als der Anteil noch bei 3,35 statt 3,9 Prozent lag. Innerhalb der Region gibt es aber ein deutliches Gefälle. Bielefeld führte mit rund 8.600 Fahrzeugen und einem Anteil von 4,7 Prozent, dicht gefolgt vom Kreis Paderborn mit 8.500 Autos. Die Kreise Lippe und Höxter bildeten mit 3,5 beziehungsweise 3,3 Prozent die Schlusslichter.

Ladesäulen halten nicht überall Schritt

Wer sich für ein E-Auto entscheidet, braucht auch eine Stelle zum Laden – und hier zeigt sich, dass die Infrastruktur der Nachfrage nicht überall folgt. Während der Kreis Paderborn mit 433 öffentlichen Ladepunkten gut aufgestellt ist, kommt der flächenmäßig größere Kreis Herford nur auf 194 Säulen. Rechnerisch teilen sich dort inzwischen fast 40 Fahrzeuge einen Ladepunkt – deutlich mehr als in Bielefeld oder Höxter. Auch Marktbeobachter wie Automobilexperte Stephan Bratzel gehen davon aus, dass steigende Kraftstoffpreise und staatliche Förderung den bundesweiten Trend zusätzlich befeuern, der sich eben auch in NRW niederschlägt.

Unsere Meinung: Der Zuwachs an E-Autos in OWL ist erfreulich, wirkt aber teils wie ein Sprint ohne ausreichend vorbereitete Strecke. Solange Kreise wie Herford oder Höxter bei der Ladeinfrastruktur so weit hinterherhinken, drohen genau dort Menschen vom Umstieg abgeschreckt zu werden, wo er besonders wichtig wäre – auf dem Land, wo Pendeldistanzen länger sind als in der Stadt. Wer die Verkehrswende ernst meint, muss den Ausbau der Ladepunkte mit derselben Konsequenz vorantreiben wie die Förderung der Fahrzeuge selbst.

Weitere Informationen: kba.de