Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Der Siegerentwurf für die Gedenkstätte Stalag 326 zeigt, wie Ostwestfalen künftig würdig und dauerhaft an sowjetische Kriegsgefangene erinnert.

Die geplante Neugestaltung der Gedenkstätte Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock wird konkret. Ein interdisziplinäres Team aus Stuttgart hat den Architekturwettbewerb des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe gewonnen. Der Entwurf soll nun zur Grundlage für einen Erinnerungsort werden, der weit über den Kreis Gütersloh hinaus Bedeutung besitzt.
Zwischen 1941 und 1945 wurden im Stalag 326 am Rand der Senne mehr als 300.000 Kriegsgefangene registriert und untergebracht. Die meisten von ihnen kamen aus der Sowjetunion. Viele wurden von hier aus zur Zwangsarbeit in landwirtschaftliche Betriebe, Fabriken und Bergwerke geschickt. Hunger, Krankheiten, mangelhafte medizinische Versorgung und menschenunwürdige Unterkünfte bestimmten den Alltag. Am 1. April 1945 erreichten amerikanische Soldaten das Lager und beendeten die Gefangenschaft.
Der Siegerentwurf setzt nicht auf eine auffällige Geste. Vielmehr sollen die vorhandenen Gebäude und Spuren des früheren Lagergeländes weitgehend erhalten bleiben. Vorgesehen ist ein eingeschossiges Eingangsgebäude mit einer zurückhaltenden Holzfassade. Die Jury überzeugte besonders, wie selbstverständlich sich der Neubau in den Bestand einfügt. Neben der Architektur gehören auch die Gestaltung der Außenanlagen und die künftige Ausstellung zum Konzept. Von 330 Bewerbungen waren 14 Teams für das Verfahren ausgewählt worden. Ihre Entwürfe werden noch bis zum 3. August im LWL-Landeshaus in Münster gezeigt.
Bis Besucher die neue Gedenkstätte betreten können, wird allerdings noch Zeit vergehen. Die Fertigstellung ist für Ende 2032 oder Anfang 2033 vorgesehen. Die Investitionen werden derzeit mit rund 60 Millionen Euro angegeben. Der Bund hat 25 Millionen Euro zugesagt, die weitere Finanzierung übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen. An den jährlichen Betriebskosten von rund vier Millionen Euro sollen sich mehrere Kreise in Ostwestfalen sowie die Städte Bielefeld und Schloß Holte-Stukenbrock beteiligen. Gerade darüber war über Jahre heftig gestritten worden.
Die heutige Gedenkstätte besteht seit 1996 und wurde maßgeblich durch ehrenamtliches Engagement aufgebaut. Mehr als 50.000 Menschen haben den Ort inzwischen besucht. Neben Führungen und Bildungsangeboten hilft das Team auch Familien aus verschiedenen Ländern bei der Suche nach dem Schicksal ihrer Angehörigen.
Meine Meinung: Ostwestfalen braucht diesen Erinnerungsort. Dass die Architektur sich zurücknimmt und die historischen Spuren sprechen lässt, ist die richtige Entscheidung. Über Kosten muss öffentlich diskutiert werden – aber nicht so, als ließe sich historische Verantwortung allein in Haushaltszahlen bemessen.
Weitere Informationen: Gedenkstätte Stalag 326