Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Ab 2027 soll die feste Einspeisevergütung für Solarstrom entfallen – mit spürbaren Folgen für Hausbesitzer, Handwerk und Energiewende.

Wer ab 2027 eine neue Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach installieren will, muss sich voraussichtlich auf deutlich andere Spielregeln einstellen. Das Bundeswirtschaftsministerium plant, die bisher über 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung für kleine Neuanlagen bis 25 Kilowatt schrittweise durch ein stärker marktorientiertes Modell zu ersetzen.
Nach dem jüngsten Entwurf soll es zwar noch eine abgesenkte Übergangszahlung für höchstens 36 Monate geben. Anschließend müssten die Betreiber ihren überschüssigen Strom direkt vermarkten. Für die ersten vier Jahre dieser Direktvermarktung ist ein zusätzlicher Bonus vorgesehen. Die ursprünglich geplante vollständige und sofortige Streichung der Vergütung wurde damit etwas abgemildert.
Für viele Hauseigentümer klingt das zunächst nach einer technischen Änderung. Tatsächlich kann sie die Finanzierung einer Anlage spürbar verändern. Die feste Vergütung war bislang der verlässliche Teil jeder Wirtschaftlichkeitsberechnung: Der selbst verbrauchte Strom senkte die Rechnung, der eingespeiste Überschuss brachte planbare Einnahmen. Bei der Direktvermarktung hängt der Erlös dagegen stärker von Börsenpreisen und den Konditionen eines Vermarktungsdienstleisters ab.
Wer in eine Solaranlage investiert, braucht vor allem eines: verlässliche Regeln über viele Jahre.
Das Ministerium begründet den Kurswechsel mit gesunkenen Anlagenpreisen, hohen Förderkosten und zunehmend belasteten Stromnetzen. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie soll besser mit Speichern, Leitungen und dem tatsächlichen Verbrauch abgestimmt werden. Am Ziel, bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch zu erreichen, hält die Bundesregierung fest. 2025 stammten nach Angaben der Energiebranche rund 58 Prozent der deutschen Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen.
Vor Ort betrifft die Reform nicht nur Eigenheimbesitzer. Auch Installationsbetriebe, Elektriker, Energieberater und Stadtwerke müssen ihre Angebote neu kalkulieren. Besonders in ländlichen Gebieten wie Bielefeld und Herford, in denen viele geeignete Einfamilienhäuser stehen, könnte eine geringere Investitionsbereitschaft schnell in den Auftragsbüchern des Handwerks sichtbar werden.
Die Solarwirtschaft warnt bereits vor einem Einbruch privater Investitionen. Auch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme sieht Risiken. Nach seinen Berechnungen könnte die Direktvermarktung die Amortisationszeit kleiner Anlagen um zwei bis drei Jahre verlängern. Hinzu kommen zusätzlicher Verwaltungsaufwand, fehlende intelligente Stromzähler und komplizierte Abrechnungsverfahren.
Bestehende Anlagen sollen von der Änderung nicht betroffen sein. Ihre zugesagte Vergütung bleibt erhalten. Noch handelt es sich zudem um einen Entwurf, der parlamentarisch beraten und beihilferechtlich von der EU-Kommission genehmigt werden muss.
Unsere Meinung: Mehr Markt kann der Energiewende guttun – aber erst, wenn dieser Markt auch für kleine Anlagen funktioniert. Wer Hausbesitzern Planungssicherheit nimmt, bevor digitale Zähler, einfache Verträge und faire Vermarktungsangebote vorhanden sind, spart möglicherweise Förderung, riskiert aber weniger Solardächer, weniger Aufträge für das örtliche Handwerk und weniger Akzeptanz vor Ort.
Weitere Informationen: Fraunhofer ISE