Ostwestfalens Betrieben fehlen 2026 geeignete Azubis

Viele Betriebe in Ostwestfalen finden 2026 keine geeigneten Azubis. Fehlende Bewerbungen & Qualifikationen verschärfen die Lage spürbar weiter.

In vielen Werkhallen, Büros und Verkaufsräumen Ostwestfalens beginnen in diesen Wochen neue Ausbildungsverhältnisse. Doch längst nicht jeder angebotene Platz wird besetzt. Nach der aktuellen Ausbildungsumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen blieben bei 46 Prozent der befragten Unternehmen Stellen offen. Als Hauptgrund nennen 69 Prozent fehlende Qualifikationen oder eine mangelnde persönliche Eignung. Bei jedem vierten Betrieb ging sogar überhaupt keine Bewerbung ein.

Noch deutlicher fällt das Urteil über die Ausbildungsreife aus. 94 Prozent der befragten Betriebe erkennen bei Schulabgängerinnen und Schulabgängern Defizite. Ein Jahr zuvor waren es 85 Prozent. Kritisiert werden vor allem Belastbarkeit, Disziplin sowie das Arbeits- und Sozialverhalten. Auch beim Rechnen, beim wirtschaftlichen Grundverständnis und beim mündlichen wie schriftlichen Ausdruck sehen viele Unternehmen erhebliche Lücken.

Ausbildungsplätze sind vorhanden – doch immer häufiger fehlen Bewerber, die fachlich und persönlich zu den Anforderungen passen.

Das Problem ist nicht auf Ostwestfalen begrenzt. An der bundesweiten Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer beteiligten sich mehr als 14.000 Unternehmen. Rund jeder zweite Betrieb konnte 2025 nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Gleichzeitig wollen 29 Prozent der Unternehmen ihr Angebot reduzieren, während nur 13 Prozent zusätzliche Plätze schaffen. Neben der schwachen Konjunktur spielen fehlende geeignete Bewerbungen und schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden eine wichtige Rolle.

Auch die Zahlen der Arbeitsagentur zeigen, wie schwierig das Zusammenführen beider Seiten bleibt. In Bielefeld waren Ende Juni noch 851 Ausbildungsinteressierte ohne Platz, während gleichzeitig 456 gemeldete Lehrstellen unbesetzt waren. Freie Stellen und suchende Jugendliche gibt es also nebeneinander – Berufswunsch, Voraussetzungen und betriebliche Anforderungen passen jedoch häufig nicht zusammen.

Viele Unternehmen versuchen inzwischen, vorhandene Lücken selbst zu schließen. 76 Prozent der von der IHK befragten Betriebe haben bereits Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören Nachhilfe, Vorbereitungskurse und die von der Arbeitsagentur geförderte Assistierte Ausbildung. Solche Angebote sollen fachliche Schwierigkeiten auffangen und verhindern, dass ein holpriger Start später zum Ausbildungsabbruch führt.

Der kleinere Abiturjahrgang infolge der Rückkehr zu G9 hat sich bislang offenbar weniger stark ausgewirkt als befürchtet. 56 Prozent der ostwestfälischen Unternehmen berichten bisher von keinen negativen Folgen für die Besetzung ihrer Ausbildungsplätze. Jugendliche ohne Vertrag haben deshalb weiterhin Chancen, auch kurzfristig noch einen Einstieg zu finden.

Unsere Meinung: Die Ergebnisse dürfen nicht dazu führen, einer ganzen Generation pauschal fehlenden Leistungswillen vorzuwerfen. Die Kritik der Betriebe muss dennoch ernst genommen werden. Schulen sollten grundlegende Kenntnisse verlässlich vermitteln, Unternehmen früher praktische Einblicke ermöglichen – und Jugendliche müssen erfahren, dass eine Ausbildung auch Verbindlichkeit verlangt. Nur wenn alle Beteiligten ihren Teil übernehmen, bleibt die duale Ausbildung eine tragfähige Grundlage für Ostwestfalens Wirtschaft.

Weitere Informationen: ihk.de/ostwestfalen