OWL Müllproblem wächst: Sofas und Scherben am Straßenrand

Illegale Müllablagerungen nehmen in Ostwestfalen deutlich zu. Städte und Umweltbetriebe wollen mit Mülldetektiven gegen Verursacher vorgehen.

Ein ausrangiertes Sofa neben dem Glascontainer, zerbrochene Flaschen auf dem Gehweg und Autoteile am Waldrand: Für das Team „Saubere Stadt“ des Bielefelder Umweltbetriebs gehören solche Funde inzwischen zum Arbeitsalltag. Was früher als gelegentliches Ärgernis galt, entwickelt sich zunehmend zu einem dauerhaften Problem für die Stadt und ihre Beschäftigten.

Wer seinen Müll am Straßenrand entsorgt, verlagert die Kosten und Verantwortung auf die gesamte Stadtgesellschaft.

Die Zahlen zeigen, wie stark der Aufwand gewachsen ist. Im Jahr 2015 sammelte der Umweltbetrieb insgesamt 425 Tonnen Hausmüll, Sperrmüll, Biomüll und illegal entsorgte Abfälle ein. Zehn Jahre später waren es bereits 1.113 Tonnen – fast dreimal so viel. An manchen Einsatzorten ist das Fahrzeug der Mitarbeiter schon nach kurzer Zeit voll und muss zunächst zum Wertstoffhof gebracht werden, bevor die Tour weitergehen kann.

Besonders häufig betroffen sind Standplätze von Glas- und Altkleidercontainern. Dort werden nicht nur einzelne Tüten abgestellt, sondern teilweise ganze Wohnungseinrichtungen entsorgt. Hinzu kommen Glasscherben, Nägel, Reifen oder ölverschmierte Fahrzeugteile. Solche Ablagerungen sehen nicht nur ungepflegt aus. Schmierstoffe und andere Schadstoffe können in den Boden gelangen und Tiere sowie Pflanzen gefährden.

Das Problem endet nicht an der Bielefelder Stadtgrenze. Auch aus den Kreisen Herford, Minden-Lübbecke und Gütersloh werden zunehmende Mengen wilden Mülls gemeldet. In Schloß Holte-Stukenbrock waren die Ausgaben für dessen Beseitigung bereits im laufenden Jahr so hoch wie im gesamten Jahr 2024. Die Stadt setzt zunächst auf Beratung und Aufklärung, bei größeren Verstößen sind jedoch Bußgelder von mehreren Tausend Euro möglich. Häufig fehlt allerdings jeder Hinweis auf die Verursacher.

Bielefeld will deshalb entschlossener vorgehen. Der Rat beschloss im Mai, probeweise sogenannte Mülldetektive einzusetzen und die Bußgelder zu erhöhen. Gleichzeitig können Bürgerinnen und Bürger wilde Ablagerungen über den städtischen Mängelmelder melden. Der Umweltbetrieb sucht vor Ort nach Hinweisen; wird ein Verursacher ermittelt, muss dieser neben dem Bußgeld auch die Entsorgung bezahlen.

An legalen Möglichkeiten mangelt es nicht. Bielefeld betreibt drei Wertstoffhöfe, zudem kann Sperrmüll aus Privathaushalten zur Abholung angemeldet werden. Bequemlichkeit oder der Wunsch, wenige Euro zu sparen, sind daher keine Rechtfertigung dafür, öffentliche Flächen als kostenlose Müllkippe zu benutzen.

Unsere Meinung: Aufklärung bleibt wichtig, doch Appelle allein reichen offenbar nicht mehr. Wer seinen Müll bewusst in Straßen, Wäldern oder an Containerplätzen ablädt, sollte konsequent ermittelt und spürbar zur Kasse gebeten werden. Sauberkeit ist keine freiwillige Zusatzleistung der Stadt, sondern eine gemeinsame Verantwortung.