Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Niedrigwasser an der Weser belastet Schifffahrt und Natur. Niedrige Pegelstände zeigen die Folgen der anhaltenden Trockenheit in Ostwestfalen.

Wer derzeit an der Weser bei Porta Westfalica, Minden oder Höxter unterwegs ist, erkennt die Folgen der Trockenheit auf den ersten Blick. Steinige Uferflächen treten hervor, Buhnen liegen teilweise frei und das Flussbett wirkt vielerorts ungewöhnlich breit. Der Wasserstand sinkt weiter – bislang allerdings nicht so stark, wie Fachleute noch Ende Juli 2026 befürchtet hatten.
Am Pegel Porta wurden am Montagmorgen 95 Zentimeter gemessen, im Laufe des Tages sank der Wert zeitweise auf 94 Zentimeter. Damit liegt die Weser nur noch knapp über dem bisherigen Tiefstand von 89 Zentimetern aus dem Jahr 2020. Ende Juli hatte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt sogar Werte zwischen 60 und 70 Zentimetern für möglich gehalten. In Höxter lag der Pegel am Vormittag bei 65 Zentimetern. Der dortige Negativrekord stammt aus dem September 2022 und beträgt 54 Zentimeter.
Die freiliegenden Ufer zeigen deutlich, wie angespannt die Lage an der Weser inzwischen ist.
Eine schnelle Entspannung ist nicht absehbar. Der Deutsche Wetterdienst erwartet in Nordrhein-Westfalen Temperaturen von bis zu 34 Grad. Zwar sind örtlich kräftige Gewitter möglich, doch für eine nachhaltige Erholung der Weser wären länger anhaltende Niederschläge im gesamten Einzugsgebiet notwendig. Einzelne Schauer reichen dafür kaum aus.
Verschärft wird die Lage durch den niedrigen Füllstand des Edersees. Die Talsperre in Nordhessen gibt normalerweise Wasser an die Eder ab, das über Fulda und Weser bis nach Ostwestfalen gelangt. Weil der Stausee nur noch zu rund 18 Prozent gefüllt ist, wurde die Abgabe auf sechs Kubikmeter pro Sekunde begrenzt. Größere Reserven zur Stützung der Oberweser stehen damit vorerst nicht zur Verfügung.
Besonders deutlich sind die Folgen für die Schifffahrt. Zwischen Hann. Münden und Minden findet kaum noch gewerblicher Schiffsverkehr statt. Fähren können teilweise nur eingeschränkt fahren, selbst Sportboote bekommen zunehmend Schwierigkeiten. Die aufgestaute Mittelweser nördlich von Minden bleibt dagegen weiterhin befahrbar. Grundsätzlich gilt: Je geringer die Wassertiefe, desto weniger Ladung können Schiffe transportieren
Auch für Fische und andere Wasserlebewesen wird die Situation kritisch. Weniger Wasser erwärmt sich schneller, enthält weniger Sauerstoff und erhöht zugleich die Konzentration von Schadstoffen. Spaziergänger sollten sich zudem nicht von den freiliegenden Flächen täuschen lassen: Die Weser besitzt weiterhin tiefe Stellen und eine starke Strömung.
Unsere Meinung: Das Niedrigwasser darf nicht als vorübergehendes Sommerbild abgetan werden. Wenn ein wichtiger Fluss bereits Anfang August kaum noch für Schiffe nutzbar ist, braucht die Region Ostwestfalen langfristige Konzepte für Wasserhaltung, Klimaanpassung und den Schutz der Weser. Abwarten und auf den nächsten Dauerregen hoffen reicht nicht mehr.