Nach der Gluthitze: Hitzeschutz in NRW wird Pflichtaufgabe

Nach der Hitzewelle erhöht NRW den Druck: Kommunen sollen Schulen, Plätze und Pflegeheime künftig besser vor Extremhitze schützen.

Die Hitzewelle der vergangenen Tage hat Nordrhein-Westfalen einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie belastend Sommer künftig häufiger werden können. Auf überhitzten Schulhöfen, in stickigen Klassenzimmern, in Pflegeeinrichtungen und auf aufgeplatzten Straßen zeigte sich: Hitze ist längst kein Randthema mehr für Wetterkarten, sondern eine Aufgabe für Rathäuser, Bauämter und Landespolitik.

Das Land will deshalb beim Klimaschutz und vor allem bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels nachlegen. Rückenwind bekommt diese Debatte durch neue Daten und neue Förderentscheidungen. In der Klimaanalyse NRW 2026 wird deutlich, wie groß der Handlungsdruck ist: Rund 7,5 Millionen Menschen leben in Siedlungsbereichen, in denen wegen nächtlicher Wärmebelastung dringender Handlungsbedarf besteht. Das sind etwa 42 Prozent der Bevölkerung.

Für die Kommunen heißt das: Sie müssen genauer hinschauen, wo sich Wohnquartiere nachts nicht mehr abkühlen, wo Plätze zu Hitzeinseln werden und wo Regenwasser bei Starkregen nicht mehr versickern kann. Das Land verweist dabei auf seine Klimaanpassungspolitik. Seit 2020 seien rund 200 Millionen Euro für kommunale Projekte bereitgestellt worden. Außerdem sollen weitere 19 Vorhaben aus dem Wettbewerb „Klimaanpassung.Kommunen.NRW“ mit insgesamt 23,9 Millionen Euro unterstützt werden.

Die Maßnahmen klingen oft unspektakulär, können im Alltag aber viel ausmachen: entsiegelte Schulhöfe, zusätzliche Bäume, Trinkbrunnen, Sonnensegel, begrünte Dächer und Fassaden, Rückhalteflächen für Starkregen. In Gummersbach etwa sollen Bildungsstandorte besser gegen Sonne und Starkregen geschützt werden. In Bielefeld wird der Ostmarkt klimaangepasst umgebaut, in Köln soll auf einer früheren Industriefläche ein neuer Grünraum entstehen.

Fachleute und Verbände fordern schon länger, Hitze nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn Rettungsdienste im Dauereinsatz sind. Schulen, Kitas, Pflegeheime und Krankenhäuser brauchen Pläne, die vor der nächsten Hitzewarnung greifen. Auch die Stadtplanung steht unter Druck: Weniger Beton, mehr Schatten und offene Flächen für Frischluft sind keine Verschönerung, sondern Vorsorge.

Nach dieser Hitzewelle von 2026 dürfte die Frage in vielen Kommunalparlamenten lauter werden: Was ist teurer — jetzt umzubauen oder später die Folgen zu bezahlen? Die Antwort fällt nach Tagen mit Temperaturen um 40 Grad nicht schwer.