Ostwestfalen im Sudkessel: Brauereien vor ungewisser Zukunft

Herforder und Paderborner Brauereien stehen in Ostwestfalen vor dem Aus – über 200 Jobs und regionale Tradition sind bedroht.

In Herford und Paderborn hängt der Geruch von Malz und Hopfen seit Jahrzehnten nicht nur in der Luft, sondern auch an der Identität der Städte. Nun steht fest: Für die Beschäftigten der Herforder und Paderborner Brauereien entscheidet sich in diesen Wochen weit mehr als nur die Frage, wo künftig Bier gebraut wird.

Die Warsteiner Gruppe hält an ihren Plänen fest, die Herforder Brauerei in Hiddenhausen Ende des Sommers 2026 zu schließen. Für den Standort Paderborn wird weiterhin ein Käufer gesucht. Sollte sich niemand finden, droht auch dort zum Jahresende das Aus. Betroffen sind mehr als 200 Beschäftigte, nach früheren Angaben insgesamt 211 Arbeitsplätze. Am Montag gingen die Gespräche zwischen Unternehmensseite und Arbeitnehmervertretern in eine weitere Runde.

Wenn eine Brauerei schließt, geht nicht nur ein Arbeitsplatz verloren. Dann verschwindet auch ein Stück Heimat aus dem Alltag der Menschen.

Für viele Mitarbeiter ist die Lage bitter. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten wirft dem Unternehmen vor, die Menschen vor vollendete Tatsachen zu stellen. Viele hätten in den vergangenen Jahren Zugeständnisse gemacht, um die Standorte zu sichern. Nun bleibt in Herford offenbar kaum Hoffnung auf den Erhalt der Produktion, während Paderborn noch auf einen Käufer setzt.

Warsteiner begründet den Schritt mit dem anhaltend schwierigen Biermarkt. Tatsächlich trinken die Deutschen seit Jahren weniger Bier. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank der Bierabsatz 2025 um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Erstmals seit Beginn der Statistik lag der Absatz damit unter acht Milliarden Litern. Für große Brauereigruppen ist das längst kein vorübergehendes Tief mehr, sondern ein strukturelles Problem.

Trotzdem trifft die Entscheidung Ostwestfalen hart. Die Paderborner Brautradition reicht bis 1852 zurück, seit 1990 gehört die Brauerei zur Warsteiner Gruppe. Herforder gilt seit Generationen als feste Größe in der Region. Dass die Marken weiterleben sollen, tröstet nur begrenzt. Ein Bier kann zwar denselben Namen tragen, doch wenn es nicht mehr hier gebraut wird, verliert es einen Teil seiner Geschichte.

In Kneipen, Vereinen und auf Schützenfesten wird man Herforder und Paderborner wohl weiter ausschenken. Aber die Frage wird bleiben: Ist es noch ein Bier aus der Region, wenn der Sudkessel künftig anderswo steht?

Unsere Meinung: Warsteiner mag betriebswirtschaftlich gute Gründe haben. Doch wer mit regionaler Verbundenheit wirbt, darf die Verantwortung für Beschäftigte und Standorte nicht wie Leergut behandeln.