Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Frankreich geht gegen Fast Fashion vor – warum auch Ostwestfalen die Folgen billiger Wegwerfmode nicht länger ignorieren sollte.

Bielefeld/Paris. Ein Top für fünf Euro, ein Kleid für den Preis eines Mittagessens, täglich neue Ware im Netz: Was für viele Kundinnen und Kunden längst zum Einkaufsalltag gehört, will Frankreich nun eindämmen. Das Parlament in Paris hat ein Gesetz gegen Ultra-Fast-Fashion beschlossen. Gemeint sind Anbieter wie Shein, Temu oder AliExpress, die in riesigen Mengen sehr günstige Kleidung auf den Markt bringen – so billig, dass Reparieren oft teurer wäre als Wegwerfen.
Kern des Gesetzes ist ein Werbeverbot. Auch Influencer sollen künftig keine Reklame mehr für solche Wegwerfmode machen dürfen. Dazu kommen Strafabgaben pro verkauftem Kleidungsstück, die in den kommenden Jahren steigen sollen. Die genauen Grenzwerte müssen noch per Verordnung festgelegt werden. Entscheidend ist: Frankreich setzt nicht bei der Kundschaft an, sondern beim Geschäftsmodell. Wer Kleidung wie Einwegware verkauft, soll sich an den Folgen beteiligen.
Ganz unumstritten ist das Gesetz nicht. Umweltverbände und Grüne kritisieren, dass klassische Fast-Fashion-Ketten aus Europa weitgehend geschont werden. Das Gesetz sei abgeschwächt worden, heißt es. Dennoch ist der Schritt bemerkenswert, weil erstmals ein EU-Land gezielt gegen die Sichtbarkeit und die Billiglogik der Online-Plattformen vorgeht.
Für Ostwestfalen ist das Thema näher, als es auf den ersten Blick scheint. Bielefeld nennt sich nicht zufällig Leineweberstadt. Spinnen, Weben, Bleichen und Nähen gehören zur Geschichte der Stadt. Textilien waren hier einmal ein Wertprodukt – verbunden mit Arbeit, Können und Qualität. Heute landen viele Kleidungsstücke nach wenigen Tragegängen im Sack oder Container.
In Bielefeld kümmern sich unter anderem DRK, Bethel, ASB, Johanniter und Kolping gemeinsam mit dem Umweltbetrieb um Alttextilien. An 160 Stellplätzen stehen Container. Bethel betreibt zudem einen der größten Secondhand-Verkäufe der Region. Dort zeigt sich, was in der Debatte oft vergessen wird: Wiederverwenden funktioniert nur, wenn Kleidung noch brauchbar ist. Billigste Ware aus dünnen Mischfasern hilft weder sozialen Einrichtungen noch Recyclingbetrieben.
Frankreichs Gesetz löst das Problem nicht allein. Aber es stellt die richtige Frage: Darf Kleidung so billig sein, dass am Ende andere für Müll, Klima- und Entsorgungskosten zahlen? Diese Frage betrifft nicht nur Paris. Sie stellt sich auch zwischen Jahnplatz, Herforder Innenstadt und den Kleiderschränken in Ostwestfalen.