Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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NRW verzeichnet immer mehr Firmeninsolvenzen. Auch OWL spürt den Druck, während zehntausende Arbeitsplätze akut auf dem Spiel stehen.

Nordrhein-Westfalen steht erneut an der Spitze einer Statistik, auf die das Land gern verzichten würde. Im ersten Halbjahr 2026 werden nach einer Hochrechnung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform rund 3.290 Unternehmensinsolvenzen erwartet. Das sind 3,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und so viele wie in keinem anderen Bundesland. Der höchste Halbjahreswert seit 2016 zeigt, wie tief die wirtschaftlichen Probleme inzwischen reichen. Nach dem Bericht von „DerWesten“ könnten allein in NRW mehr als 55.000 Arbeitsplätze betroffen sein.
Hinter den nüchternen Zahlen stehen Betriebe, die oft über Jahre oder Jahrzehnte aufgebaut wurden: Handwerksunternehmen, Bauunternehmen, Gaststätten, Einzelhändler und kleinere Dienstleister. Besonders der Dienstleistungssektor und die Baubranche geraten unter Druck. Viele Unternehmen verfügen nur über geringe Rücklagen. Steigende Energie- und Personalkosten, teure Kredite, eine schwache Nachfrage und wachsende bürokratische Anforderungen lassen kaum noch Luft zum Atmen. Mehr als vier von fünf insolventen Unternehmen beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter.
Auch in Ostwestfalen ist die Entwicklung längst angekommen. Im ersten Quartal 2026 wurden in der Region 150 Insolvenzverfahren beantragt – 13,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Kreis Lippe stellten innerhalb von drei Monaten 24 Unternehmen einen Insolvenzantrag. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Anstieg um 26 Prozent. Besonders häufig traf es dort das Baugewerbe, den Handel und das verarbeitende Gewerbe.
Wenn ein Betrieb schließen muss, verschwindet nicht nur ein Arbeitsplatz – oft verliert ein ganzer Ort ein Stück wirtschaftliche Heimat
Bundesweit rechnet Creditreform für das erste Halbjahr mit 12.900 Firmenpleiten. Rund 165.000 Arbeitsplätze sind betroffen, deutlich mehr als die 143.000 Stellen im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig summieren sich die voraussichtlichen Forderungsausfälle auf etwa 28,5 Milliarden Euro. Eine schnelle Entspannung erwarten die Wirtschaftsforscher nicht. Sie rechnen frühestens 2027 mit einer Stabilisierung – vorausgesetzt, die Wirtschaft beginnt wieder spürbar zu wachsen.
Eine Insolvenz bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sämtliche Arbeitsplätze verschwinden. Manche Betriebe können saniert, verkauft oder unter neuer Führung fortgeführt werden. Dennoch sind die steigenden Zahlen ein ernstes Warnsignal.
Unsere Meinung: Politik und Verwaltungen müssen jetzt aufhören, die Probleme lediglich zu beschreiben. Betriebe brauchen verlässliche Energiepreise, schnellere Genehmigungen und weniger Papierarbeit. Gerade eine mittelständisch geprägte Region wie Ostwestfalen kann viel verkraften – aber auch der stärkste Familienbetrieb hält nicht unbegrenzt durch.
Weitere Informationen: Creditreform