Wenn der Klick teuer wird: Cyberversicherung für Privatleute – Schutz oder Geldverschwendung?

Cyberkriminalität trifft auch Privatleute – doch lohnt sich eine eigene Cyberversicherung wirklich, oder reichen bestehende Policen aus?

Phishing-Mail geöffnet, Kreditkarte missbraucht, Onlinekonto leergeräumt – was vor Jahren noch nach Hollywoodfilm klang, ist für immer mehr Menschen bittere Realität. Laut dem aktuellen Cybersicherheitsmonitor des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurden allein im vergangenen Jahr elf Prozent aller Internetnutzer in Deutschland Opfer einer Straftat im Netz. Bei 88 Prozent davon entstand ein messbarer Schaden, ein Drittel musste finanzielle Verluste hinnehmen. Die Zahlen sind nüchtern, und trotzdem stellt sich vielen die Frage: Brauche ich als Privatperson wirklich eine eigene Cyberversicherung – oder reicht das, was ich schon habe?

Das Angebot wächst jedenfalls. Versicherer, die bislang vor allem Unternehmen im Blick hatten, drängen zunehmend auch in den Privatkundensektor. Die Jahresprämien beginnen meist zwischen 60 und 300 Euro, je nach Umfang und gewählter Deckungssumme. Dafür versprechen die Anbieter Hilfe bei Identitätsdiebstahl, Phishing, Datenverlust, Cybermobbing und betrügerischen Onlineshops – und neuerdings auch präventive Dienste wie Echtzeit-Warnungen bei verdächtigen Aktivitäten.

Doch bevor man unterschreibt, lohnt ein nüchterner Blick ins eigene Versicherungsarchiv. Die Verbraucherzentrale NRW weist ausdrücklich darauf hin, dass viele Standardverträge bereits einen Teil dieser Risiken abdecken – etwa die Privathaftpflicht, die Hausratversicherung oder eine bestehende Rechtsschutzpolice mit Internetbaustein. Wer also gutgläubig eine separate Cyberpolice kauft, zahlt womöglich doppelt für denselben Schutz.

Hinzu kommen teils ernüchternde Leistungsgrenzen im Kleingedruckten. Schäden durch Identitätsmissbrauch werden häufig nur bis zu 15.000 Euro erstattet, bei Onlinekäufen oft nur bis 3.000 Euro. Wer sich von einer solchen Police eine Vollkaskoabsicherung erhofft, erlebt im Schadensfall mitunter eine böse Überraschung.

Finanztip kommt zu dem Schluss, dass eine Cyberversicherung für Privatpersonen in den meisten Fällen nicht sinnvoll ist. Zwar seien auch Privathaushalte von Betrug, Erpressung oder Datenklau betroffen, doch sei das Risiko im Vergleich zu Unternehmen deutlich geringer. Zudem gebe es bislang kaum Produkte, die wirklich passgenau auf private Nutzer zugeschnitten seien.

Klarer sieht die Lage für Unternehmen und Selbstständige aus. Laut Digitalverband Bitkom haben in den vergangenen Jahren bereits neun von zehn deutschen Unternehmen einen Cyberangriff erlebt – für diese Gruppe gilt die Absicherung als dringend empfohlen.

Was bleibt also für den normalen Privatnutzer? Zunächst sollte man prüfen, welche Risiken bestehende Policen bereits abdecken. Wer danach noch eine Lücke sieht, kann über eine spezialisierte Police nachdenken – muss dabei aber auf Wartefristen, Selbstbehalt und tatsächliche Deckungssummen achten. Experten empfehlen außerdem, genau zu prüfen, ob der Schutz auf den Versicherungsnehmer allein beschränkt ist oder auch andere Haushaltsmitglieder wie Partner und Kinder einschließt.

Wirklich schützen kann man sich ohnehin am besten durch vernünftiges Verhalten: starke, unterschiedliche Passwörter, Zwei-Faktor-Authentisierung und gesundes Misstrauen gegenüber unbekannten Links. Der BSI-Monitor zeigt, dass weniger als die Hälfte der Deutschen diese Grundschutzmaßnahmen konsequent nutzt. Eine Versicherungspolice ersetzt das nicht – sie hilft nur dann, wenn es trotzdem passiert ist.


Tipp: Wer seine bestehenden Versicherungen auf Cyberschutz prüfen möchte, kann sich kostenlos an die Verbraucherzentrale wenden oder die Infoseiten des BSI unter bsi.bund.de nutzen.