Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Baumschutz in OWL kippt: Warum immer mehr Kommunen wie Bielefeld und Herford ihre Schutzsatzungen ersatzlos streichen.

Wer in der Region einen alten Baum im Garten fällen wollte, brauchte bisher oft Geduld, ein gutes Maßband und die Erlaubnis aus dem Rathaus. Doch damit ist in Ostwestfalen-Lippe (OWL) immer schneller Schluss. Ein Kahlschlag ganz anderer Art fegt durch die kommunale Politik. Zwischen Weser und Teutoburger Wald kippen die lokalen Baumschutz-Satzungen reihenweise. Was die einen als überfälligen Befreiungsschlag gegen den Amtsschimmel feiern, treibt Naturschützern tiefe Sorgenfalten auf die Stirn.
Der Dominostein fiel zuerst im Süden der Region: Bereits im Dezember 2024 schaffte Paderborn die Satzung ab. Kurz darauf, im Februar 2026, zog der Bielefelder Stadtrat nach hitzigen Debatten nach. Nun bröckelt die Front auch im Kreis Herford und im Kreis Minden-Lübbecke. In der Kurstadt Bad Oeynhausen steht das Regelwerk ebenso vor dem endgültigen Aus wie in Herford selbst, wo der Umweltausschuss bereits im Mai 2026 hauchdünn mit 9 zu 8 Stimmen für eine Aufhebung stimmte.
Die treibende politische Kraft hinter dieser Entwicklung ist vor allem die CDU, unterstützt von FDP und AfD. Das Argument der Befürworter wiederholt sich in fast jeder Ratssitzung: Die Satzungen seien reine Papiermonster, die die Verwaltungen blockieren und die Bürger bevormunden. Der Herforder CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Beck hält den bürokratischen Aufwand schlicht für unverhältnismäßig und plädiert stattdessen für Beratung statt Verbote. Grundstückseigentümer, so die Lesart, besäßen genug Eigenverantwortung, um gesunde Bäume nicht ohne Not zu fällen.
Umweltschützer und Fachverbände reagieren fassungslos auf diesen Trend. Christoph Dirksen, Vorsitzender des Baumschulverbandes NRW, warnt eindringlich davor, die grünen Lungen der Städte dem freien Ermessen zu überlassen: „Bäume sind für uns Menschen, für die Natur, für alles unwahrscheinlich wichtig“. Gerade die mächtigen, alten Bäume kühlen durch Schatten und Verdunstung die zunehmend überhitzten Innenstädte ab. Ein frisch gepflanzter Setzling braucht Jahrzehnte, um die ökologische Leistung eines einzigen Riesen zu ersetzen. Der Bielefelder Naturschutzbeirat und die Grünen kritisieren zudem, dass die Abschaffungen oft im Schnellverfahren und ohne echte Beteiligung von Klima-Experten durchgedrückt wurden.
Während Großstädte den Schutz abbauen, gehen kleinere Kommunen andere Wege. In Blomberg (Kreis Lippe) setzt man weiterhin auf klare Regeln. Wer dort einen Baum mit mehr als 1,20 Metern Stammumfang anrühren will, muss einen digitalen Antrag ausfüllen und im Zweifel für Ersatz sorgen. Auch Gütersloh hält an der Satzung fest und will das Antragsverfahren schlicht digitalisieren, statt den Schutz komplett einzustampfen.
Ob der Verzicht auf Regeln wirklich zu mehr freiwilligem Grün führt, darf bezweifelt werden. Fest steht: Der Schutz der Bäume in OWL wird zum Flickenteppich – und das Risiko im eigenen Garten trägt künftig allein die Natur.