Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Alkoholfreies Bier boomt: Warum der Trend auch in Ostwestfalen jetzt neue Chancen für Brauereien, Handel und Gastronomie eröffnet.

Ostwestfalen war lange eine Region, in der Bier vor allem nach Pils schmeckte: herb, bodenständig, gern aus der Brauerei nebenan. Doch der Markt verändert sich sichtbar. Alkoholfreies Bier steht längst nicht mehr nur bei Autofahrern auf dem Tisch. Es wird nach dem Sport getrunken, in der Mittagspause, beim Grillabend oder im Biergarten, wenn am nächsten Morgen wieder Frühschicht ist.
In Ostwestfalen wurde Bier immer mit Haltung gebraut. Wenn diese Haltung heute ohne Alkohol auskommt, ist das kein Bruch mit der Tradition, sondern ihre zeitgemäße Fortsetzung.
Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes passen zu dem Eindruck, den Getränkehändler und Wirte in der Region seit einiger Zeit schildern: 2025 wurden in Deutschland gut 616 Millionen Liter alkoholfreies Bier produziert, 6,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Währenddessen ging die Produktion von Bier mit Alkohol deutlich zurück. Auf einen Liter alkoholfreies Bier kamen im vergangenen Jahr rechnerisch noch 11,1 Liter alkoholhaltiges Bier. Ein Jahr zuvor waren es 12,5 Liter.
Auch Nordrhein-Westfalen folgt diesem Trend. Die NRW-Brauereien brauten 2025 so viel Alkoholfreies wie seit zehn Jahren nicht mehr. 1,32 Millionen Hektoliter kamen zusammen, ein Plus von gut zehn Prozent. Der Absatzwert stieg auf 164,4 Millionen Euro. Das ist zwar kein Ausgleich für den schwächelnden Biermarkt insgesamt, aber ein klares Signal: Wer heute Bier verkauft, muss alkoholfrei ernst nehmen.
In Ostwestfalen bekommt diese Entwicklung eine besondere Note. Denn sie trifft auf eine Branche, die gerade an Identität verliert. Die angekündigte Schließung der Herforder Brauerei in Hiddenhausen und die unsichere Zukunft der Paderborner Brauerei haben gezeigt, wie hart der Strukturwandel die Region trifft. Mehr als 200 Arbeitsplätze sind betroffen, und mit ihnen ein Stück Alltagskultur.
Gleichzeitig zeigen andere heimische Brauereien, dass alkoholfrei auch regional funktionieren kann. Barre aus Lübbecke führt gleich mehrere alkoholfreie Sorten, darunter Pilsener, 0,0 Prozent und Weizen. Die Privat-Brauerei Strate in Detmold hat ebenfalls alkoholfreie Varianten im Sortiment. Solche Angebote sind mehr als eine Randnotiz im Getränkeregal. Sie sind ein Versuch, die Kundschaft zu halten, die den Biergeschmack mag, aber nicht immer Alkohol trinken will.
Für die Brauereien bleibt die Lage trotzdem schwierig. Alkoholfrei wächst, aber es rettet nicht automatisch jeden Standort. Der Biermarkt schrumpft seit Jahren, Kosten und Preisdruck bleiben hoch. Doch im alkoholfreien Segment liegt eine der wenigen Chancen, mit denen regionale Marken an junge Familien, Sportvereine und gesundheitsbewusstere Kunden herankommen. In OWL wird sich daran zeigen, ob Heimatbier auch ohne Promille Zukunft hat.
Weitere Informationen: destatis.de