Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Zwei Uhus aus Kirchlengern werden nach erfolgreicher Pflege im Tierpark Herford ausgewildert und kehren in die Natur zurück.

Kirchlengern/Herford. Für zwei junge Uhus aus Kirchlengern beginnt ein neues Kapitel. Nach mehreren Wochen in der Obhut des Tierparks Herford sollen die stattlichen Jungvögel ausgewildert werden. Noch im April 2026 hing ihr Leben sprichwörtlich an einem dünnen Faden: Die Küken saßen in einem offenen Nistkasten an einem Kraftwerksgebäude, rund 35 Meter über dem Boden. Weil sie noch nicht fliegen konnten und ein Absturz tödlich geendet hätte, wurden sie von einer Falknerin geborgen.
Im Tierpark Herford wurden die beiden Tiere nicht einfach nur gefüttert. Entscheidend war, sie möglichst gut auf ein Leben ohne menschliche Hilfe vorzubereiten. Dazu gehörte vor allem die Jagd auf Mäuse. Inzwischen sind die Uhus flugfähig und nach Einschätzung von Tierparkleiter Thorsten Dodt bereit, ihr Revier selbst zu erkunden.
Bei der Wahl des Freilassungsortes ist allerdings Vorsicht nötig. Uhus verteidigen ihre Gebiete. Bereits ansässige Altvögel könnten die jungen Neuankömmlinge vertreiben oder sogar angreifen. Deshalb soll ein Platz gefunden werden, an dem bislang kein anderes Uhu-Paar lebt.
Für das Team im Herforder Tierpark ist die Auswilderung der entscheidende Moment. Die wochenlange Pflege war schließlich kein Selbstzweck. Erst wenn die beiden Eulen ohne Futterstelle, Voliere und menschliche Nähe zurechtkommen, ist aus der Rettungsaktion ein wirklicher Erfolg geworden.
Dass junge Uhus ihren Brutplatz verlassen, bevor sie sicher fliegen können, ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich. In der sogenannten Ästlingsphase klettern und hüpfen sie in der Umgebung umher. Voll flugfähig werden sie meist erst im Alter von neun bis zehn Wochen. Selbst dann sind sie normalerweise noch nicht unabhängig und werden häufig bis in den Spätsommer von ihren Eltern versorgt.
Genau deshalb war die Situation am hohen, offenen Nistkasten in Kirchlengern so gefährlich. Dort fehlte ein geschützter Bereich, in den sich die Küken hätten zurückziehen können.
Der Uhu hat in Deutschland eine bemerkenswerte Rückkehr geschafft. Nachdem die größte heimische Eule zeitweise nahezu verschwunden war, haben sich die Bestände durch Schutzmaßnahmen und die ganzjährige Schonzeit wieder erholt. Der Fall aus Kirchlengern zeigt jedoch, dass Artenschutz nicht nur aus großen Programmen besteht. Manchmal entscheidet das schnelle und sachkundige Eingreifen einzelner Menschen darüber, ob zwei Jungtiere überhaupt eine Chance bekommen.
Unsere Meinung: Die Rettung der beiden Uhus war richtig, weil die Gefahr nicht allein durch ein natürliches Risiko entstand, sondern durch einen ungeeigneten Brutplatz an einem Bauwerk. Ebenso wichtig ist nun, die Tiere wirklich loszulassen. Erfolgreicher Artenschutz zeigt sich nicht daran, Wildtiere dauerhaft zu umsorgen, sondern daran, ihnen die Rückkehr in ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.
Weitere Informationen: tierpark-herford.de