Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Gustav Steinmann Orgelbau in Vlotho baut, restauriert und pflegt Kirchenorgeln. Porträt über die traditionsreiche Werkstatt seit 1910.

In einer Orgel stecken Holz, Metall, Leder, Mechanik und unzählige Stunden präziser Handarbeit. Die Werkstatt Gustav Steinmann Orgelbau in Vlotho beschäftigt sich seit 1910 mit diesen komplexen Instrumenten. Zum Tätigkeitsfeld gehören heute Orgelneubauten, Restaurierungen, regelmäßige Stimmungen und die Pflege vorhandener Instrumente.
Viele Orgeln aus der Werkstatt stehen in Kirchen der näheren Umgebung. Weitere Instrumente wurden in andere Teile Deutschlands und bis ins Ausland geliefert. Damit gehört der Betrieb zu den traditionsreichen Handwerksunternehmen, deren Arbeit in der Region zwar regelmäßig zu hören, außerhalb der Kirchenräume aber nur selten zu sehen ist.
Unternehmen: Gustav Steinmann Orgelbau
Inhaber: Jan-H. Steinmann
Standort: Vlotho-Wehrendorf
Adresse: Salzuflener Straße 160a, 32602 Vlotho
Gegründet: 1910
Bereich: Musikinstrumentenbau und Orgelpflege
Leistungen: Orgelneubauten, Restaurierungen, Stimmungen, Pflege und Schimmelsanierung
Telefon: 0171 3881877
E-Mail: jansteinmann@me.com
Webseite: gustav-steinmann-orgelbau.de
Besuche: nach vorheriger Vereinbarung
Die Geschichte begann mit Gustav Steinmann, der zunächst eine Tischlerlehre absolvierte und anschließend den Orgelbau erlernte. Weitere berufliche Erfahrungen sammelte er unter anderem bei bekannten Werkstätten in Hannover und Schwelm. Neben den handwerklichen Kenntnissen beschäftigte er sich auch mit Musik, bevor er 1910 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.
Unterstützung erhielt er von der Familie seiner späteren Frau Anna. Für den ersten Auftrag standen ihm die Werkstatt, Werkzeuge und Hölzer seines Schwiegervaters zur Verfügung. Dort entstand eine Orgel für die evangelische Christuskirche in Greven. Bereits 1911 bezog die junge Familie ein eigenes Wohn- und Werkstattgebäude in Wehrendorf.
Aus dem kleinen Handwerksbetrieb entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten eine überregional tätige Orgelbauwerkstatt. Historischen Übersichten zufolge entstanden zwischen 1919 und 1939 mehr als 100 Orgeln sowie rund 1.500 Harmonien. Ein Teil der Instrumente wurde in die Niederlande geliefert. Heute wird der Betrieb in vierter Generation weitergeführt.

Der Bau einer Pfeifenorgel verlangt deutlich mehr als eine einzelne handwerkliche Fähigkeit. Für das Gehäuse, die Windladen und große Teile der Mechanik wird Holz bearbeitet. Pfeifen bestehen je nach gewünschtem Klang aus unterschiedlichen Metalllegierungen oder Holzarten. Hinzu kommen Ventile, Kanäle, Lederteile, Tasten, Registerzüge und zahlreiche mechanische Verbindungen.
Bevor die Fertigung beginnt, müssen Größe, Klang und technische Ausstattung an den jeweiligen Kirchenraum angepasst werden. Eine kleine Dorfkirche stellt andere Anforderungen als ein großes Gotteshaus mit mehreren Emporen und einer langen Nachhallzeit.
Viele Bauteile entstehen individuell für ein bestimmtes Instrument. Nach dem Aufbau in der Kirche folgt die Intonation. Dabei werden die einzelnen Pfeifen so bearbeitet und eingestellt, dass Lautstärke, Ansprache und Klangfarbe miteinander harmonieren. Erst im Zusammenspiel entwickelt sich der charakteristische Gesamtklang einer Orgel.

Die Vlothoer Werkstatt baut neue Instrumente und beschäftigt sich zugleich mit vorhandenen Orgeln. Bei einer Restaurierung geht es darum, historische Substanz zu erhalten und technische Schäden fachgerecht zu beheben.
Vor Beginn der Arbeiten wird untersucht, welche Teile noch im Original vorhanden sind und welche Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte vorgenommen wurden. Abhängig vom Zustand können unter anderem Windladen, Pfeifen, Spielmechanik, Klaviaturen oder das Gehäuse überarbeitet werden.
Nicht jede ältere Ergänzung wird automatisch entfernt. Entscheidend ist, welchen historischen und musikalischen Zustand die Kirchengemeinde gemeinsam mit Sachverständigen wiederherstellen möchte. Die Werkstatt muss deshalb handwerkliche Lösungen finden, die den Charakter des Instruments bewahren und gleichzeitig einen zuverlässigen Betrieb ermöglichen.

Eine Orgel ist dauerhaft den Bedingungen ihres Kirchenraums ausgesetzt. Veränderungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit wirken auf Holz, Leder und Metall. Staub kann bewegliche Bauteile beeinträchtigen, während Bauarbeiten oder undichte Dächer zusätzliche Verschmutzungen verursachen können.
Deshalb gehören regelmäßige Wartungen und Stimmungen zu den wichtigsten Aufgaben eines Orgelbauers. Bei einer Stimmung werden die Pfeifen kontrolliert und aufeinander abgestimmt. Gleichzeitig lassen sich kleinere technische Probleme erkennen, bevor größere Reparaturen notwendig werden.
Als besondere Leistung nennt die Werkstatt außerdem die Schimmelsanierung. Schimmel kann sich in wenig beheizten oder schlecht belüfteten Kirchenräumen auf Pfeifen, Holzflächen und weiteren Bauteilen ausbreiten. Die Behandlung erfordert einen vorsichtigen Umgang mit dem Instrument, damit Oberflächen und historische Materialien nicht beschädigt werden.
In zahlreichen Kirchen zwischen Bielefeld, Herford, Minden und Lippe befinden oder befanden sich Instrumente aus Vlotho. Zu den bekannten Beispielen gehören Orgeln in der Bielefelder Pauluskirche, der Herforder Marienkirche, der St.-Martini-Kirche in Minden, St. Nicolai in Lemgo und der Stiftskirche in Enger.
Auch in Vlotho selbst und im heutigen Kirchenkreis finden sich mehrere Arbeiten der Werkstatt. Die Instrumente unterscheiden sich in Größe, Bauweise und Entstehungszeit. Gemeinsam ist ihnen, dass sie jeweils für einen bestimmten Raum und dessen musikalische Nutzung entwickelt wurden.
Die Verbreitung zeigt, wie eng das Unternehmen mit der regionalen Kirchenmusik verbunden ist. Viele Besucher hören den Klang der Werkstatt bei Gottesdiensten, Hochzeiten, Trauerfeiern und Konzerten, ohne den Namen des Erbauers bewusst wahrzunehmen.
Orgelbau ist ein Berufsfeld, in dem Erfahrung nur begrenzt durch Maschinen ersetzt werden kann. Jeder Kirchenraum ist anders, historische Instrumente folgen unterschiedlichen Bauprinzipien und selbst Pfeifen gleicher Größe können verschieden reagieren.
Die Werkstatt in Wehrendorf bewahrt dieses Wissen seit mehr als einem Jahrhundert. Sie steht damit nicht nur für den Bau neuer Instrumente, sondern auch für die Erhaltung eines wichtigen Teils der regionalen Kulturgeschichte.
Gustav Steinmann Orgelbau zeigt, dass eine Manufaktur nicht zwangsläufig Produkte für den täglichen Gebrauch herstellen muss. Manchmal besteht ihre Arbeit aus Instrumenten, die ganze Räume füllen und über viele Generationen hinweg genutzt werden.
Der Betrieb wurde 1910 von Gustav Steinmann gegründet. Die erste Kirchenorgel entstand für die evangelische Christuskirche in Greven.
Als heutiger Inhaber beziehungsweise Vertreter wird Jan-H. Steinmann genannt. Die Orgelbauwerkstatt befindet sich weiterhin in Vlotho.
Das Angebot umfasst Orgelneubauten, Restaurierungen, Stimmungen, regelmäßige Pflege und die Sanierung von Schimmelbefall.
Der Schwerpunkt liegt auf Pfeifenorgeln und deren Erhaltung. Der genaue Umfang eines Projekts wird individuell mit dem jeweiligen Auftraggeber abgestimmt.
Die Werkstatt hat ihren Sitz an der Salzuflener Straße 160a im Vlothoer Ortsteil Wehrendorf.