Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Bünde entdecken: Zigarrenstadt, Doberg, Museen, starke Unternehmen und besondere Orte in der traditionsreichen Stadt im Kreis Herford.
Bünde verbindet die Geschichte der deutschen Zigarrenindustrie mit dem Doberg, einer lebendigen Innenstadt und einem erstaunlich starken Wirtschaftsstandort. Die Stadt an der Else gehört zu den wichtigsten Mittelzentren im Kreis Herford und zeigt auf besondere Weise, wie Industriegeschichte und moderner Mittelstand in Ostwestfalen zusammengehören.

Auf den ersten Blick wirkt Bünde überschaubar. Doch hinter der Stadt im Ravensberger Land steckt weit mehr, als ihre Größe vermuten lässt. Über Jahrzehnte war Bünde eines der Zentren der europäischen Zigarrenproduktion. Noch heute erinnern Fabrikantenvillen, alte Speicher, Straßennamen und das Deutsche Tabak- und Zigarrenmuseum an diese Zeit.
Gleichzeitig arbeiten heute Unternehmen aus Hausgeräteindustrie, Pharma, Elektronik, Modellbau und zahlreichen mittelständischen Branchen von Bünde aus. Und mit dem Doberg besitzt die Stadt einen Ort, dessen geologische Bedeutung weit über Ostwestfalen hinausreicht.
Bünde liegt damit irgendwo zwischen Industriekultur, Mittelstand und einer Stadt, in der Wald, Felder und kleinere Ortsteile nie weit entfernt sind.
Die amtliche Landesstatistik weist für Ende 2024 45.364 Einwohner aus. Die Stadt selbst verwendet auf ihrer allgemeinen Informationsseite teilweise eine höhere, gerundete Einwohnerzahl. Wegen der besseren Vergleichbarkeit verwenden wir in diesem Artikel die IT.NRW-Zahl verwenden.

Bünde gehört zu den älteren Siedlungen des Ravensberger Landes. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 853. In der Urkunde erscheint der Name „Buginithi“. Der 23. Mai 853 gilt deshalb heute als eine Art Geburtsdatum der Stadt.
Im Zentrum steht mit der Laurentiuskirche ein Bauwerk, dessen Geschichte ebenfalls weit zurückreicht. Sie zählt nach Angaben der Stadt zu den ältesten Kirchengründungen Westfalens. Der heute noch vorhandene spätromanische Kern entstand im 13. Jahrhundert; bei archäologischen Untersuchungen wurden zudem ältere Fundamentreste gefunden.
Die eigentlichen Stadtrechte erhielt Bünde deutlich später. 1719 erhob der preußische König Friedrich Wilhelm I. mehrere Orte im Ravensberger Land zu Städten – darunter Bünde und das benachbarte Enger.
Damals konnte noch niemand ahnen, dass ein Produkt die Stadt gut hundert Jahre später wirtschaftlich grundlegend verändern würde.

Die Geschichte der Zigarrenstadt beginnt 1842.
Nachdem die bis dahin wichtige Leinen- und Garnwirtschaft durch die Industrialisierung zunehmend unter Druck geraten war, entwickelte sich die Herstellung von Zigarren und Rauchtabak zum neuen Wirtschaftszweig. Gustav Meyer begann 1842 mit der Produktion, Tönnies Wellensiek folgte wenig später und legte gemeinsam mit August Steinmeister einen entscheidenden Grundstein für den Aufstieg Bündes.
Die Entwicklung war bemerkenswert. 1862 wurden in Bünde bereits 80 Millionen Zigarren hergestellt. Um 1900 beschäftigten nach Angaben der Stadt 84 Tabakbetriebe mehr als 3.300 Menschen – bei damals weniger als 5.000 Einwohnern im eigentlichen Stadtgebiet.
Mit der Industrie kam Wohlstand. Unternehmer ließen repräsentative Villen bauen, Zulieferbetriebe entstanden und auch das Stadtbild veränderte sich. Druckereien, Kartonagenhersteller und Produzenten von Zigarrenkisten profitierten ebenfalls vom Geschäft.
Wer heute durch Bünde läuft, findet diese Vergangenheit noch an vielen Stellen. Die Villen der Zigarrenfabrikanten, der historische Tabakspeicher am Bahnhof und das Denkmal für Steinmeister und Wellensiek erinnern daran.
Ganz verschwunden ist die Branche übrigens nicht. Die Stadt nennt bis heute drei ansässige Zigarrenhersteller, darunter Arnold André, dessen Unternehmensgeschichte seit dem 19. Jahrhundert eng mit Bünde verbunden ist.
Wer verstehen möchte, warum Bünde so aussieht, wie es heute aussieht, sollte sich mit seiner Industriegeschichte beschäftigen.
Das Deutsche Tabak- und Zigarrenmuseum gehört deshalb zu den charakteristischsten Einrichtungen der Stadt. In einem historischen Hofgebäude wird die Geschichte des Tabaks, der Zigarrenherstellung und der Menschen erzählt, deren Alltag über Generationen von dieser Industrie bestimmt wurde.
Die Dauerausstellung umfasst nach Angaben der Stadt mehr als 2.200 Exponate und zahlreiche Medienstationen.
Damit ist das Museum mehr als eine Sammlung historischer Gegenstände. Es erklärt einen wesentlichen Teil der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Bündes.
Unmittelbar daneben wartet allerdings ein völlig anderes Thema.

Der Doberg gehört zu den ungewöhnlichsten Orten im Kreis Herford.
Im Süden der Stadt wurden über viele Jahre kalkhaltige Gesteine abgebaut. Dadurch entstand eine eigenartige Landschaft mit tiefen Einschnitten, kleinen Hügeln und offenliegenden Gesteinsschichten.
Diese Schichten sind etwa 30 Millionen Jahre alt und stammen aus dem Oligozän. Besonders außergewöhnlich ist ihre Vollständigkeit: Der Doberg gilt als international bedeutender geologischer Referenzpunkt für einen Abschnitt dieser Erdzeitepoche, das sogenannte Chatt.
Fossilien zeigen, dass die Gegend damals vollkommen anders aussah. Zu den bekanntesten Funden gehört das Skelett einer fossilen Seekuh.
Das benachbarte Dobergmuseum – Geologisches Museum Ostwestfalen-Lippe greift genau diese Geschichte auf. Seine Sammlung macht sichtbar, dass Bünde nicht nur Industriegeschichte besitzt, sondern zugleich einen der geologisch interessantesten Orte der Region.
Für einen Stadtartikel ist der Doberg deshalb besonders wertvoll: Er gibt Bünde ein Alleinstellungsmerkmal, das keine andere Stadt in Ostwestfalen in dieser Form besitzt.
Bünde besitzt keine große mittelalterliche Altstadt wie Höxter oder Rheda-Wiedenbrück. Trotzdem lässt sich die Entwicklung der Stadt im Zentrum gut ablesen.
Rund um Laurentiuskirche, Eschstraße, Bahnhofstraße und die Fußgängerzone liegen historische Gebäude neben Nachkriegsarchitektur und modernen Geschäftshäusern. Die Villen der früheren Zigarrenunternehmer gehören dabei zu den auffälligsten Zeugnissen der wirtschaftlichen Blütezeit.
Etwas weiter nördlich liegt der Steinmeisterpark. Der rund 2,5 Hektar große Park geht ebenfalls auf die Unternehmerfamilie Steinmeister zurück. Der heutige Teich ist der letzte Rest einer früher erheblich größeren Anlage mit zahlreichen Fischteichen.
Mitten durch die Stadt fließt außerdem die Else. Sie ist zwar kein großer Fluss wie Weser oder Ems, prägt aber die Stadtstruktur und verbindet mehrere Grün- und Freizeitbereiche miteinander.
Dadurch wirkt Bünde vielerorts weniger dicht, als man es von einer Stadt dieser Größe erwarten könnte.

Die Zigarrenindustrie hat Bünde geprägt. Die heutige Wirtschaft funktioniert jedoch längst anders.
Zu den größten Arbeitgebern gehört das Miele-Werk Bünde. Der Standort geht auf das 1857 gegründete Unternehmen Imperial zurück und gehört seit 1989 zur Miele-Gruppe. Heute ist Bünde Kompetenzzentrum für Kochfelder, Dampfgarer und Wärmeschubladen. Miele nennt aktuell rund 740 Beschäftigte am Standort.
Ebenfalls bedeutend ist Gerresheimer Bünde. Das Unternehmen produziert in der Stadt Systeme für die Pharmaindustrie, darunter vorfüllbare Glasspritzen und Karpulen. Die aktuellen Strukturdaten der Stadt zählen Gerresheimer mit rund 700 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern Bündes.
Hinzu kommt die Arnold André Zigarrenfabrik, die die Verbindung zwischen historischer und heutiger Wirtschaft besonders sichtbar macht.
Auch BOPLA hat seinen Hauptsitz in Bünde. Das Unternehmen entwickelt und produziert Elektronikgehäuse sowie Eingabeeinheiten und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 240 Menschen am Stammsitz. Die Produkte kommen unter anderem in Maschinenbau, Medizintechnik und Bahntechnik zum Einsatz.
Mit Revell ist zudem eine der bekanntesten deutschen Marken für Modellbausätze in Bünde ansässig.
Damit besitzt die Stadt eine Wirtschaftsstruktur, die typisch für Ostwestfalen ist: Auf vergleichsweise engem Raum arbeiten traditionsreiche Familienunternehmen, industrielle Produktionsstandorte und spezialisierte Mittelständler mit internationalen Märkten.
Bünde besteht nicht nur aus der Innenstadt.
Zur heutigen Stadt gehören zwölf Ortsteile. Neben Bünde-Mitte sind insbesondere Ennigloh, Spradow und Südlengern größere Siedlungsschwerpunkte. Andere Bereiche wie Ahle, Muckum oder Werfen sind deutlich ländlicher geprägt.
Dadurch verändert sich das Stadtbild teilweise schon nach wenigen Kilometern. Auf dicht bebaute Wohn- und Gewerbegebiete folgen Felder, kleinere Siedlungen und Landschaftsräume des Ravensberger Landes.
Geografisch liegt Bünde in der Ravensberger Mulde zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge. Über die A30 besteht eine direkte Verbindung Richtung Osnabrück und Bad Oeynhausen. Auch der Bahnhof Bünde spielt für die Anbindung der Stadt eine wichtige Rolle.
Diese Lage erklärt, warum Bünde für den westlichen Teil des Kreises Herford bis heute eine wichtige Funktion als Einkaufs-, Arbeits- und Versorgungszentrum besitzt.
Bünde ist keine Stadt, die sich mit einem einzelnen Wahrzeichen erklären lässt.
Der eigentliche Reiz liegt in den Zusammenhängen: Der Niedergang der Leinenwirtschaft führte zum Aufstieg der Zigarrenindustrie. Aus dieser Zeit stammen Unternehmergeschichte und Stadtarchitektur. Später entwickelte sich daraus eine wesentlich breitere industrielle Struktur.
Gleichzeitig liegt mit dem Doberg ein Ort am Stadtrand, der weit hinter die menschliche Geschichte zurückführt.
So stehen heute Tabakmuseum, Miele-Werk, Pharmaproduktion, Elektronikunternehmen, historische Villen, Else und 30 Millionen Jahre alte Gesteinsschichten innerhalb weniger Kilometer nebeneinander.
Bünde ist damit eine sehr ostwestfälische Stadt: wirtschaftlich stärker, als ihre Größe vermuten lässt, nach außen nicht besonders laut und zugleich voller Geschichten, die man erst entdeckt, wenn man genauer hinschaut.
Wer Ostwestfalen kennenlernen möchte, sollte deshalb nicht nur die großen Zentren Bielefeld, Paderborn oder Minden besuchen. Bünde zeigt mindestens ebenso gut, wie Industriegeschichte, Mittelstand und ländliches Umfeld diese Region geprägt haben.
Bünde ist vor allem als deutsche Zigarrenstadt bekannt. Die Tabakindustrie prägte die Stadt besonders im 19. und 20. Jahrhundert. Heute erinnern das Deutsche Tabak- und Zigarrenmuseum, ehemalige Fabrikantenvillen und historische Gebäude an diese Zeit.
Nach den von der Stadt im Haushaltsplan 2026 veröffentlichten IT.NRW-Daten lebten Ende 2024 45.364 Menschen in Bünde. Das Stadtgebiet umfasst rund 59,3 Quadratkilometer.
Besonders charakteristisch sind das Deutsche Tabak- und Zigarrenmuseum, das Dobergmuseum, der Doberg, die Laurentiuskirche, die historischen Zigarrenfabrikantenvillen und der Steinmeisterpark.
Ab 1842 entwickelte sich in Bünde eine umfangreiche Zigarren- und Tabakindustrie. Um 1900 gab es bereits 84 Tabakbetriebe mit mehr als 3.300 Beschäftigten. Die Branche prägte Wirtschaft, Architektur und gesellschaftliches Leben der Stadt über Jahrzehnte.
Ja. Bünde liegt im Kreis Herford und damit im Kerngebiet Ostwestfalens. Gemeinsam mit den übrigen ostwestfälischen Kreisen und Lippe gehört die Stadt zur heutigen Region Ostwestfalen-Lippe.