China-Markt soll wieder öffnen: Minister macht bei Premium Food Group Druck für Fleischexporte

Minister Alois Rainer besucht Tönnies in Rheda-Wiedenbrück und setzt sich für neue deutsche Schweinefleischexporte nach China ein.

Für die deutsche Fleischwirtschaft könnte der chinesische Markt wieder wichtiger werden – und damit auch für einen der größten Lebensmittelhersteller Ostwestfalens. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat bei einem Besuch der Premium Food Group in Rheda-Wiedenbrück dafür geworben, die seit Jahren eingeschränkten Schweinefleischexporte nach China wieder zu ermöglichen.

Bei seinem Rundgang durch den Stammsitz des früheren Tönnies-Konzerns sprach Rainer mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Clemens Tönnies über die aktuelle Lage der Branche. Im Mittelpunkt stand die Afrikanische Schweinepest (ASP). Seit dem ersten Auftreten der Tierseuche in Deutschland im Jahr 2020 ist der chinesische Markt für deutsches Schweinefleisch weitgehend geschlossen. Rainer möchte erreichen, dass künftig zumindest Fleisch aus nicht betroffenen Regionen wieder nach China geliefert werden kann.

Wie bedeutend dieser Markt einmal war, zeigen Zahlen der Bundesregierung. Im Jahr 2019 exportierte Deutschland rund 600.000 Tonnen Schweinefleisch im Wert von etwa 1,2 Milliarden Euro nach China. Nach Angaben aus der Branche könnte eine Wiederöffnung des Marktes den Erlös je Mastschwein um sechs bis sieben Euro verbessern. Gerade angesichts des derzeitigen Preisdrucks auf dem europäischen Schweinemarkt wäre das für viele landwirtschaftliche Betriebe spürbar.

Politisch gibt es bereits Bewegung. Deutschland und China unterzeichneten im Februar 2026 eine gemeinsame Absichtserklärung zur Anerkennung des sogenannten Regionalisierungsprinzips bei der Afrikanischen Schweinepest. Das würde ermöglichen, zwischen betroffenen und seuchenfreien Gebieten zu unterscheiden, statt bei einem regionalen Ausbruch sämtliche Exporte aus Deutschland zu stoppen. Bis daraus wieder ein tatsächlich nutzbarer Marktzugang entsteht, sind allerdings weitere Vereinbarungen notwendig.

Für Rheda-Wiedenbrück ist das weit mehr als eine agrarpolitische Fachfrage. Die Premium Food Group gehört zu den größten Lebensmittelunternehmen Europas. Nach Unternehmensangaben erwirtschaftete die Gruppe 2024 rund acht Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt weltweit etwa 21.000 Menschen. Der Hauptsitz liegt weiterhin in Rheda-Wiedenbrück.

Für Rheda-Wiedenbrück ist der China-Export weit mehr als eine agrarpolitische Frage – er betrifft einen der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Ostwestfalens.

Damit hängen Entwicklungen auf internationalen Absatzmärkten unmittelbar mit einem der wichtigsten Wirtschaftsstandorte im Kreis Gütersloh zusammen. Zugleich betrifft die Frage zahlreiche Schweinehalter und Zulieferer in Ostwestfalen und darüber hinaus.

Unsere Meinung: Dass ein Bundesminister dieses Thema ausgerechnet in Rheda-Wiedenbrück aufgreift, zeigt die wirtschaftliche Bedeutung der Fleischindustrie für die Region. Eine Öffnung des chinesischen Marktes wäre kein Allheilmittel für die Probleme der Branche. Wenn aber Fleisch aus nachweislich seuchenfreien Regionen wieder exportiert werden kann, ist das wirtschaftlich sinnvoller als eine pauschale Sperre für ganz Deutschland.