Bürstenhaus Redecker in Versmold: Handwerk seit 1935

Bürstenhaus Redecker fertigt in Versmold Bürsten, Besen und Alltagshelfer aus Naturmaterialien – traditionsreiches Handwerk seit 1935.

Eine gute Bürste wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Ein Stück Holz, dazu Rosshaar, Pflanzenfasern oder Borsten – mehr braucht es scheinbar nicht. Doch beim Bürstenhaus Redecker in Versmold steckt hinter diesen alltäglichen Gegenständen ein Handwerk, das in der Familie seit mehr als 90 Jahren weitergegeben wird.

1935 fertigte Friedrich Redecker die ersten Bürsten unter seinem Namen. Aus der kleinen Werkstatt entstand über mehrere Generationen ein Unternehmen, dessen Produkte heute weit über Ostwestfalen hinaus bekannt sind. Geblieben ist der Anspruch, Funktion, natürliche Materialien und eine klare Gestaltung miteinander zu verbinden.

Bürstenhaus Redecker auf einen Blick

Unternehmen: Bürstenhaus Redecker GmbH
Geschäftsführer: Felix Redecker
Standort: Versmold im Kreis Gütersloh
Adresse: Bockhorster Landweg 19, 33775 Versmold
Gegründet: 1935
Gründer: Friedrich Redecker
Generation: Familienunternehmen in dritter Generation
Bereich: Bürstenmanufaktur und Haushaltswaren
Produkte: Bürsten, Besen, Staubwedel, Schuhpflege, Kleiderpflege, Küchenhelfer, Haar- und Massagebürsten sowie weitere Haushaltsprodukte
Materialien: unter anderem verschiedene Hölzer, Rosshaar, Ziegenhaar, Borsten und Pflanzenfasern
Mitarbeitende: rund 80 laut Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Telefon: 05423 9464-99
E-Mail: kontakt@redecker.de
Webseite: redecker.de
Vertrieb: Onlineshop sowie Einzel- und Fachhandel

Als Geschäftsführer wird im aktuellen Impressum Felix Redecker genannt. Gemeinsam mit Jana Redecker führt er das Familienunternehmen in dritter Generation.

Ein Bürstenmacher, der sein Handwerk ertasten musste

Die Geschichte des Unternehmens beginnt ungewöhnlich. Friedrich Redecker verlor im Verlauf seiner Kindheit sein Augenlicht. Als Jugendlicher besuchte er die Blindenschule in Soest und erlernte dort das Bürstenmacherhandwerk – einen Beruf, der früher zu den typischen Ausbildungsmöglichkeiten für blinde Menschen gehörte.

Nach seiner Ausbildung machte er sich selbstständig. Seine Kunden waren zunächst vor allem Landwirte und Haushalte aus der Umgebung. Verkauft wurde direkt aus der Werkstatt oder von Tür zu Tür. Friedrich Redecker arbeitete bis zu seinem Tod 1986 in seinem Beruf.

Zunächst sah es danach aus, als könnte damit auch die Bürstenproduktion der Familie enden. Sein jüngster Sohn Gernot Redecker und dessen Frau Jutta entschieden sich jedoch, die noch vorhandenen Materialien zu verarbeiten. Auf dem Köhlerfest in Borgholzhausen boten sie 1987 die gefertigten Bürsten und Besen an – und verkauften am ersten Wochenende den gesamten Bestand. Aus der vermeintlichen Abwicklung wurde ein Neuanfang.

Bürstenhaus Redecker Bürsten-Manufaktur
Bürstenhaus Redecker Bürsten-Manufaktur

Vom Keller zur Manufaktur in Versmold

In den folgenden Jahren wuchs das Unternehmen Schritt für Schritt. Gefertigt wurde zeitweise im eigenen Keller, während das Wohnzimmer als Büro diente. Später folgten eine ausgebaute Scheune, ein Firmenneubau sowie zusätzliche Lager- und Produktionsflächen in Versmold.

2009 trat Felix Redecker gemeinsam mit seiner Frau Jana in das Unternehmen ein. Heute führen beide die Familientradition weiter. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe nennt inzwischen rund 80 Beschäftigte in Produktentwicklung, Produktion, Verwaltung und Logistik.

Dabei hat sich das Produktspektrum deutlich erweitert. Neben klassischen Handfegern und Besen gibt es Schuh-, Kleider-, Haar-, Massage-, Küchen- und Reinigungsbürsten sowie zahlreiche weitere Helfer für Haushalt, Bad und Garten.

Bürstenmanufaktur Redecker in Versmold
Bürstenmanufaktur Redecker in Versmold

Holz, Rosshaar und Pflanzenfasern

Interessant wird eine Bürste vor allem durch die Auswahl ihres Besatzes. Denn eine Schuhbürste muss andere Eigenschaften besitzen als eine Haarbürste oder ein Schrubber.

Redecker verarbeitet abhängig vom Produkt beispielsweise Rosshaar, Ziegenhaar, klassische Borsten und unterschiedliche Pflanzenfasern. Bei den Holzkörpern kommen unter anderem Buche, Eiche, Esche und Birnbaum zum Einsatz. Im aktuellen Sortiment finden sich etwa Schuhbürsten aus hellem oder schwarzem Rosshaar sowie Schmutzbürsten mit Kokos- und Fibre-Besatz.

Die Materialien werden nicht allein wegen ihrer Optik ausgewählt. Rosshaar ist beispielsweise für andere Anwendungen geeignet als eine feste Pflanzenfaser. Die Form des Griffes, die Länge des Besatzes und die Anordnung der Fasern müssen deshalb zum jeweiligen Einsatzzweck passen.

Gerade darin zeigt sich, dass auch hinter einem scheinbar einfachen Alltagsgegenstand viel Produktwissen steckt.


*Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren

Neue Produkte beginnen mit einer Idee

Das Bürstenhaus Redecker versteht sich nicht nur als Hersteller traditioneller Bürsten. In Versmold werden regelmäßig neue Produkte entwickelt und bestehende verbessert.

Der Prozess beginnt nach Unternehmensangaben mit einer Idee. Daraus entsteht zunächst ein Entwurf und anschließend ein erster Prototyp in der Werkstatt. Dieser wird ausprobiert, verändert und erneut beurteilt. Form, Material, Handhabung und Funktion müssen zusammenpassen, bevor aus einem Entwurf tatsächlich ein neues Produkt wird. Von der ersten Idee bis zur Aufnahme in den Katalog kann deshalb mehr als ein halbes Jahr vergehen.

Die Produktentwicklung bleibt damit eng mit dem praktischen Handwerk verbunden. Ein Gegenstand soll nicht allein interessant aussehen, sondern im Alltag tatsächlich funktionieren.

Schuhbürsten vom Bürstenhaus Redecker
Schuhbürsten vom Bürstenhaus Redecker

Ein altes Handwerk mit modernem Design

Bemerkenswert ist, wie Redecker ein traditionelles Handwerk weiterentwickelt hat. Viele Produkte erinnern in Material und Herstellung an Gegenstände, die schon vor Jahrzehnten verwendet wurden. Gleichzeitig wirken Formen und Gestaltung bewusst reduziert und zeitgemäß.

Das Unternehmen nennt Natürlichkeit, Funktion und Design als zentrale Bestandteile seiner Arbeit. Auch Nachhaltigkeit spielt bei der Materialauswahl und bei der Entwicklung langlebiger Produkte eine wichtige Rolle.

Dass dieser Ansatz international funktioniert, zeigt die Entwicklung des Betriebs. Aus einer kleinen Werkstatt für regionale Haushalte wurde eine Marke, die ihre Produkte über den Fachhandel auch außerhalb Deutschlands vertreibt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe verweist unter anderem auf Messeauftritte in Chicago und Tokio.

Der Mittelpunkt ist dennoch Versmold geblieben.

Ladengeschäft Bürstenhaus Redecker
Ladengeschäft Bürstenhaus Redecker

Eigene Ladengeschäfte in Bad Rothenfelde und auf Sylt

Wer die Produkte von Redecker nicht nur online oder im Fachhandel entdecken möchte, kann zwei eigene Ladengeschäfte des Unternehmens besuchen. In Bad Rothenfelde sowie in Westerland auf Sylt präsentiert das Bürstenhaus nahezu das gesamte aktuelle Sortiment. Dort lassen sich Bürsten, Besen und die zahlreichen kleinen Helfer für Haushalt und Körperpflege direkt ansehen und ausprobieren. Der Standort in Bad Rothenfelde befindet sich an der Salinenstraße 2–6, das Geschäft auf Sylt an der Friedrichstraße 16 in Westerland. Damit bringt das Familienunternehmen sein in Versmold verwurzeltes Bürstenmacherhandwerk auch an zwei eigene Verkaufsstandorte außerhalb Ostwestfalens

Bürsten-Manufaktur Redecker aus Ostwestfalen
Bürsten-Manufaktur Redecker aus Ostwestfalen

Bürstenmacherhandwerk aus Ostwestfalen

Das Bürstenhaus Redecker steht für eine Form von Manufaktur, die heute nur noch selten zu finden ist. Das Unternehmen verbindet ein fast verschwundenes Handwerk mit moderner Produktentwicklung und hat aus alltäglichen Gegenständen eine international wahrgenommene Marke entwickelt.

Besonders ist dabei die Geschichte: Was 1935 mit dem blinden Bürstenmacher Friedrich Redecker begann, wird heute in dritter Generation am ostwestfälischen Standort weitergeführt.

Gerade diese Verbindung aus mehr als 90 Jahren Familiengeschichte, traditionellem Bürstenmacherhandwerk und natürlichen Materialien macht das Bürstenhaus Redecker zu einer von uns ausgewählten Manufaktur aus Ostwestfalen.

Häufige Fragen zum Bürstenhaus Redecker

Seit wann gibt es das Bürstenhaus Redecker?

Friedrich Redecker fertigte 1935 die ersten Bürsten unter seinem Namen. Das Unternehmen wird heute in dritter Generation weitergeführt.

Wo befindet sich das Bürstenhaus Redecker?

Der Unternehmenssitz befindet sich am Bockhorster Landweg 19 in 33775 Versmold im Kreis Gütersloh.

Wer führt das Unternehmen heute?

Geschäftsführer ist Felix Redecker. Gemeinsam mit Jana Redecker führt er das Familienunternehmen in dritter Generation.

Welche Produkte stellt Redecker her?

Zum Sortiment gehören unter anderem Besen, Staubwedel, Schuh- und Kleiderbürsten, Küchenbürsten, Haar- und Massagebürsten sowie zahlreiche weitere Helfer für Haushalt und Körperpflege.

Welche Materialien werden für die Bürsten verwendet?

Je nach Produkt kommen beispielsweise Buche, Eiche, Esche und Birnbaum sowie Rosshaar, Ziegenhaar, Borsten und verschiedene Pflanzenfasern zum Einsatz.

Kennst du ein besonderes Unternehmen aus Ostwestfalen?

Wir suchen interessante Familienunternehmen, Hersteller, Marken und Manufakturen aus der Region. Schlage uns ein Unternehmen für eine mögliche redaktionelle Vorstellung vor.

Unternehmen vorschlagen →