Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Großes Torfmoor bei Lübbecke entdecken: Holzstege, Wanderwege, Aussichtstürme und eine einzigartige Moorlandschaft in Ostwestfalen.

Es gibt Ausflugsziele, die mit einem großen Bauwerk, einem Schloss oder einem spektakulären Aussichtspunkt um Aufmerksamkeit werben. Das Große Torfmoor zwischen Lübbecke und Hille braucht das nicht. Hier sind es Weite, Wasser, Holzstege, Wollgras und der Blick über eine Landschaft, die an manchen Tagen beinahe nordisch wirkt.
Gerade deshalb gehört das Naturschutzgebiet Großes Torfmoor zu den Orten, die man in Ostwestfalen einmal erlebt haben sollte. Das Naturschutzgebiet liegt nördlich des Wiehengebirges im Kreis Minden-Lübbecke und umfasst nach Angaben der Biologischen Station rund 606 Hektar. Es gehört zu den bedeutendsten Moorlandschaften Nordrhein-Westfalens und bildet den größten Hochmoor-Regenerationskomplex des Landes.
Für Menschen aus der Region ist das Torfmoor ein ideales Ziel für einen halben Tag: Schuhe an, Handy weg – zumindest zeitweise – und einfach loslaufen.
Ort: zwischen Lübbecke und Hille
Region: Kreis Minden-Lübbecke, Ostwestfalen
Art: Naturschutzgebiet und Moorlandschaft
Größe: rund 606 Hektar
Besonders: Hochmoorflächen, Moorgewässer, Holzstege und Beobachtungstürme
Geeignet für: Spaziergänge, Wanderungen, Naturbeobachtung und Familien
Besucherzentrum: Moorhus, Frotheimer Straße 57a, 32312 Lübbecke
Wanderwege: mehrere ausgeschilderte Rundwege und Moor-Erlebnis-Pfad
Tipp: Fernglas mitnehmen und Zeit lassen

Wer das erste Mal durch das Große Torfmoor läuft, dürfte überrascht sein. Die Landschaft hat wenig mit dem Bild zu tun, das viele spontan mit Ostwestfalen verbinden. Keine dicht bewaldeten Höhen wie im Teutoburger Wald, keine sanften Felder und keine Fachwerkstadt – stattdessen öffnet sich eine flache, feuchte Landschaft mit Moorgewässern, Heideflächen und einem erstaunlich weiten Horizont.
Typische Moorpflanzen wie Torfmoose, Wollgras, Glockenheide und Sonnentau finden hier Lebensräume. Auch für zahlreiche Vogelarten und andere Tiere ist das Gebiet von großer Bedeutung. Die Biologische Station nennt unter anderem Bekassine, Krickente, Kranich, Weißstorch und Moorfrosch als typische Bewohner beziehungsweise Gäste des Gebiets.
Besonders reizvoll sind die Bereiche, in denen Holzbohlenwege durch das Moor führen. Hier ist man mitten in der Landschaft, ohne die empfindlichen Flächen zu betreten. Das Tempo wird automatisch langsamer. Man hört Frösche, Wind und Vögel und merkt ziemlich schnell, dass dieses Ausflugsziel nicht von möglichst viel Unterhaltung lebt.
Das Moor selbst ist die Attraktion.
Dass das Große Torfmoor heute wieder so aussieht, ist keineswegs selbstverständlich. Über lange Zeit wurde das Moor entwässert und Torf abgebaut. Dadurch verlor die Landschaft einen erheblichen Teil ihres ursprünglichen Charakters.
Seit den 1970er-Jahren wird daran gearbeitet, das Gebiet zu schützen und wiederherzustellen. Einen wichtigen Schub brachte ein EU-LIFE-Projekt in den 2000er-Jahren. Dabei wurden unter anderem Gehölze entfernt und Flächen wiedervernässt. Bis heute werden Pflege-, Beweidungs- und Renaturierungsmaßnahmen fortgeführt.
Gerade dieser Hintergrund macht einen Spaziergang interessanter. Was auf den ersten Blick wie eine weitgehend unberührte Landschaft erscheint, ist zugleich ein Beispiel dafür, wie aufwendig es sein kann, einen geschädigten Naturraum wiederherzustellen.
Ein Moor braucht vor allem eines: Wasser. Wird es entwässert, verändert es sich grundlegend. Wird der Wasserstand wieder angehoben, können sich typische Moorlebensräume langsam erholen.
Das Große Torfmoor lässt sich auf mehreren ausgeschilderten Rundwegen erkunden. Besonders interessant ist die sogenannte Lauschtour. Die vom Teutoburger Wald Tourismus beschriebene Runde ist gut acht Kilometer lang, weitgehend flach und führt teilweise über Holzbohlenwege durch das Gebiet. Über eine Smartphone-App können unterwegs Informationen zur Landschaft abgerufen werden.
Wer keine längere Wanderung machen möchte, muss trotzdem nicht auf das Moorerlebnis verzichten. Es gibt verschiedene kürzere Strecken und einen Moor-Erlebnis-Pfad. Drei Beobachtungstürme ermöglichen außerdem einen erhöhten Blick über die offene Landschaft.
Das ist vielleicht der schönste Moment des Ausflugs: oben stehen, das Wiehengebirge am Horizont sehen und davor eine Landschaft, die für Ostwestfalen erstaunlich weit wirkt.
Wer normalerweise eher im Teutoburger Wald unterwegs ist, erlebt hier eine vollkommen andere Seite der Region.

Ein sinnvoller Startpunkt ist das NABU-Besucherzentrum Moorhus am westlichen Rand des Naturschutzgebiets. Dort gibt es eine Ausstellung zur Entstehung, Nutzung und Renaturierung des Großen Torfmoors sowie Informationen über Tiere und Pflanzen der Moorlandschaft. Das Besucherzentrum befindet sich an der Frotheimer Straße 57a in Lübbecke.
Gerade mit Kindern lohnt es sich, zunächst etwas über den Lebensraum zu erfahren und anschließend hinauszugehen. Plötzlich sind Torfmoos, Wollgras oder Moorfrosch nicht mehr einfach Pflanzen und Tiere am Wegesrand, sondern Teil einer Landschaft, deren Zusammenhänge man besser versteht.
Aktuelle Öffnungszeiten des Moorhus sollten vor dem Besuch geprüft werden, da sie saisonal unterschiedlich sind.

Das Große Torfmoor ist kein Ziel, an dem ein Programmpunkt den nächsten jagt. Genau das macht seinen Reiz aus.
Man geht. Man schaut. Man bleibt stehen.
Mit etwas Glück taucht ein Vogel über der offenen Fläche auf. An anderer Stelle spiegelt sich der Himmel in einem Moorgewässer. Im Frühjahr und Frühsommer verändert Wollgras die Landschaft, während Nebel, tief stehende Sonne oder ein bedeckter Himmel dem Moor zu anderen Jahreszeiten einen völlig anderen Charakter geben.
Auch Fotografen finden hier zahlreiche Motive. Holzstege, Aussichtstürme, offene Wasserflächen und die weite Landschaft unterscheiden sich deutlich von den klassischen Postkartenansichten Ostwestfalens.
Und selbst wer im Kreis Minden-Lübbecke aufgewachsen ist, kann hier noch das Gefühl bekommen, für ein paar Stunden ganz woanders zu sein.
Wer einen ganzen Tag im nördlichen Ostwestfalen verbringen möchte, kann den Moorbesuch gut mit Minden verbinden. Die Weserstadt bietet mit Altstadt, Dom, Weser und Wasserstraßenkreuz einen starken Kontrast zur stillen Moorlandschaft.
Eine weitere Möglichkeit ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica. Dort wartet nach der flachen Weite des Moores ein völlig anderer Blick auf den Kreis Minden-Lübbecke – von oben über Weser und Wiehengebirge.
Weitere Ideen für einen freien Nachmittag oder ein Wochenende finden sich bei unseren Ausflugszielen in Ostwestfalen.
Wer eine Region entdecken möchte, sollte nicht nur ihre bekanntesten Wahrzeichen besuchen.
Das Hermannsdenkmal, die Sparrenburg oder die Externsteine gehören zu Ostwestfalen und sind zu Recht bekannt. Aber eine Region wird erst dann wirklich interessant, wenn man auch die Landschaften und Orte kennenlernt, die nicht sofort auf jedem Titelbild erscheinen.
Das Große Torfmoor ist so ein Ort.
Es zeigt, wie unterschiedlich Ostwestfalen innerhalb weniger Kilometer sein kann. Südlich erhebt sich das Wiehengebirge, nördlich liegt der Mittellandkanal, dazwischen öffnet sich eine Moorlandschaft mit seltenen Pflanzen, Vögeln, Wasserflächen und kilometerlangen Wegen.
Vor allem ist es ein Ausflugsziel, das nichts inszenieren muss. Die Landschaft reicht völlig aus.
Festes und wettergerechtes Schuhwerk ist sinnvoll, auch wenn viele Wege gut begehbar sind. Nach längeren Regenperioden gehört Feuchtigkeit selbstverständlich zum Moorerlebnis.
Für Tierbeobachtungen lohnt sich ein Fernglas. Wer fotografieren möchte, findet besonders am frühen Morgen oder späteren Nachmittag interessante Lichtstimmungen. Wichtig ist, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben: Das schützt nicht nur die empfindlichen Moorflächen, sondern auch die zahlreichen Tiere, die hier Rückzugs- und Bruträume finden.
Für einen ersten Besuch würde ich nicht versuchen, möglichst schnell eine komplette Runde abzuhaken. Zwei oder drei Stunden mit Pausen und einem Abstecher zum Aussichtsturm passen besser zu diesem Ort.
Das Große Torfmoor bei Lübbecke ist eines jener Ausflugsziele, die zeigen, warum es sich lohnt, die eigene Region noch einmal neu anzuschauen.
Keine große Inszenierung, keine Fahrgeschäfte, kein spektakuläres Bauwerk. Dafür Moor, Wasser, Holzstege, seltene Natur und eine Weite, die man zwischen Bielefeld, Minden und Teutoburger Wald nicht unbedingt erwartet.
Gerade für Menschen aus Ostwestfalen ist das ein guter Grund hinzufahren.
Denn Ostwestfalen entdecken bedeutet nicht unbedingt, immer weiter wegzufahren. Manchmal genügt ein Weg aus Holz, der mitten durch eine Landschaft führt, von der man vorher kaum wusste, dass sie direkt vor der eigenen Haustür liegt.
Das Große Torfmoor liegt im Kreis Minden-Lübbecke zwischen Lübbecke und Hille, nördlich des Wiehengebirges. Das NABU-Besucherzentrum Moorhus befindet sich an der Frotheimer Straße in Lübbecke.
Ja. Durch das Naturschutzgebiet führen mehrere ausgeschilderte Rundwanderwege sowie ein Moor-Erlebnis-Pfad. Teile der Strecken verlaufen über charakteristische Holzbohlenwege.
Die touristisch ausgewiesene Lauschtour wird als familienfreundlicher Rundweg geführt. Das Moorhus bietet zusätzlich Informationen und Bildungsangebote rund um den Lebensraum Moor.
Das Gebiet ist der größte Hochmoor-Regenerationskomplex Nordrhein-Westfalens und beherbergt zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Drei Beobachtungstürme ermöglichen Ausblicke über die Moorlandschaft.