Zuckerabgabe sorgt für Unruhe bei Getränkeherstellern in OWL

Die Zuckerabgabe sorgt in OWL für Kritik: Getränkehersteller warnen vor höheren Kosten, steigenden Preisen und Wettbewerbsnachteilen.

Die geplante Abgabe auf stark gezuckerte Getränke wird auch für die Getränkehersteller in Ostwestfalen zum handfesten Wirtschaftsthema. Was auf Bundesebene vor allem mit Gesundheitsschutz und stabileren Krankenkassen begründet wird, könnte bei regionalen Mineralbrunnen und Getränkeproduzenten zusätzliche Kosten verursachen – und am Ende auch an der Supermarktkasse spürbar werden.

Die Bundesregierung will Hersteller abhängig vom Zuckergehalt ihrer Getränke zur Kasse bitten. Nach den Empfehlungen der von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzten Finanzkommission könnten bei mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter rund 26 Cent pro Liter fällig werden, ab acht Gramm wären es 32 Cent. Bei einer Getränkekiste summiert sich das schnell auf mehrere Euro. Mitte Juli sprach Warken von möglichen Einnahmen in Höhe von 650 Millionen Euro.

Der Zeitplan ist allerdings noch nicht endgültig klar. In einer Antwort der Bundesregierung vom Juni 2026 war weiterhin von einer Einführung ab 2028 die Rede. Ziel sei ausdrücklich, Hersteller dazu zu bewegen, Rezepturen zu verändern und den Zuckergehalt zu reduzieren. Eine Übergangsfrist soll den Unternehmen Zeit für Anpassungen geben.

In Ostwestfalen trifft die Debatte auf eine traditionsreiche Getränkebranche. Zu den Unterzeichnern eines bundesweiten offenen Briefes gegen die geplante Abgabe gehören unter anderem die Bad Driburger Naturparkquellen, Carolinen Brunnen aus Bielefeld und die Graf Metternich-Quellen aus Steinheim-Vinsebeck. Die Branche verweist darauf, dass gerade mittelständische Betriebe bereits mit höheren Ausgaben für Energie, Verpackungen, Personal und Logistik zu kämpfen hätten. Zudem sei der Zuckergehalt marktrelevanter Erfrischungsgetränke seit 2018 nach eigenen Angaben bereits deutlich gesunken.

Gesundheitspolitik darf nicht dazu führen, dass regionale Getränkehersteller in OWL am Ende die Rechnung bezahlen.

Befürworter halten dagegen. Das britische Modell zeigt, dass eine gestaffelte Abgabe Hersteller tatsächlich dazu bewegen kann, weniger Zucker einzusetzen. Nach Angaben des NDR sank dort der durchschnittliche Zuckergehalt bei entsprechenden Getränken deutlich. Gesundheitliche Verbesserungen, unter anderem bei Kindern, werden ebenfalls mit der Regelung in Verbindung gebracht.

Damit steht die Politik vor einem schwierigen Spagat: Eine Abgabe soll nicht in erster Linie das Mineralwasser aus Bad Driburg, Bielefeld oder Steinheim verteuern, sondern besonders zuckerreiche Produkte verändern. Entscheidend wird deshalb die konkrete Ausgestaltung.

Unsere Meinung: Eine Zuckerabgabe kann sinnvoll sein, wenn sie tatsächlich Anreize für weniger Zucker setzt. Sie darf aber nicht zu einer pauschalen Zusatzbelastung für regionale Getränkehersteller werden. Gerade mittelständische Betriebe in Ostwestfalen sollten für bereits zuckerreduzierte Produkte nicht bestraft werden – eine klug gestaffelte Regelung wäre besser als eine neue Steuer mit der Gießkanne.