Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
Paulaner gilt als möglicher Käufer der Paderborner Brauerei. Eine Übernahme könnte Standort und Arbeitsplätze in Ostwestfalen sichern.

Paderborn. Für die Paderborner Brauerei wächst die Hoffnung auf eine Zukunft am bisherigen Standort. Nach aktuellen Medienberichten soll die Paulaner Brauerei Gruppe zu den Interessenten für den Betrieb gehören. Eine Übernahme ist bislang allerdings nicht bestätigt. In den kommenden Wochen könnte sich entscheiden, ob aus den Gesprächen tatsächlich ein Verkauf wird.
Seit Anfang Mai steht fest, dass die Haus Cramer Gruppe einen Käufer für die Paderborner Brauerei sucht. Sollte bis zum Jahresende keine Lösung gefunden werden, soll die Produktion in Paderborn eingestellt werden. Betroffen sind nach Unternehmensangaben 113 Beschäftigte. Die Marke Paderborner würde auch bei einem Aus des Standorts weitergeführt und künftig an anderer Stelle gebraut.
Für Paderborn zählt am Ende nicht der Name des Käufers, sondern ob Brauerei, Arbeitsplätze und Tradition in der Stadt bleiben.
Dass nun ausgerechnet Paulaner als möglicher Interessent gehandelt wird, macht die Sache besonders spannend. Die Münchner Gruppe gehört zu den großen Brauereianbietern in Deutschland und betreibt nach eigenen Angaben sechs Braustandorte in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Hinzu kommt eine Mehrheitsbeteiligung an der Kulmbacher Brauerei. Hinter Paulaner stehen die Schörghuber Gruppe mit 70 Prozent und der internationale Braukonzern Heineken mit 30 Prozent.
Ein Standort in Paderborn würde daher geografisch gut in eine Erweiterung Richtung Nordrhein-Westfalen passen. Vor allem aber verfügt die Brauerei an der Halberstädter Straße über eine moderne Produktions- und Abfüllstruktur. Noch vor wenigen Jahren hatte die Haus Cramer Gruppe dort kräftig investiert. 2023 wurden unter anderem 7,5 Millionen Euro für Umbauten sowie weitere 3,2 Millionen Euro für ein neues Verpackungszentrum angekündigt.
Für einen Käufer bleibt der Markt allerdings schwierig. Der Bierabsatz deutscher Brauereien sank 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Gleichzeitig ging die Zahl der Brauereien bundesweit auf 1.415 zurück. Die Probleme in Paderborn sind damit Teil einer Entwicklung, die längst die gesamte Branche erreicht hat.
Für Ostwestfalen wäre ein Verkauf trotzdem ein wichtiges Signal. Die Paderborner Brautradition reicht bis 1852 zurück, seit 1990 gehört der Betrieb zur heutigen Haus Cramer Gruppe. Nach dem beschlossenen Ende der Herforder Brauerei würde ein weiteres Verschwinden eines traditionsreichen Braustandorts die regionale Getränkewirtschaft empfindlich treffen.
Unsere Meinung: Wenn ein wirtschaftlich starker Käufer bereit ist, nicht nur Markenrechte oder Produktionsanlagen zu übernehmen, sondern tatsächlich in Paderborn weiterzubrauen, wäre das die beste Lösung. Paulaner würde dafür auf den ersten Blick gut passen. Entscheidend ist am Ende aber nicht der bekannte Name auf dem Kaufvertrag, sondern ob Arbeitsplätze, Produktion und ein Stück Paderborner Industriegeschichte dauerhaft in Ostwestfalen bleiben.