Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
Paragon aus Delbrück beantragt Insolvenz. 552 Arbeitsplätze sind betroffen. Auslöser ist eine ausgebliebene Finanzierung über zwölf Millionen Euro

Für den ostwestfälischen Automobilzulieferer paragon beginnt eine ungewisse Phase. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Delbrück hat am Montag, 7. September 2026, beim Amtsgericht Paderborn Insolvenzanträge für drei Gesellschaften gestellt. Betroffen sind die börsennotierte paragon GmbH & Co. KGaA sowie die Tochtergesellschaften paragon electronic GmbH und paragon movasys GmbH. Insgesamt geht es um 552 Arbeitsplätze an sechs deutschen Standorten.
Nach der Ad-hoc-Mitteilung wurden die Anträge wegen Zahlungsunfähigkeit notwendig. Auslöser ist nach Darstellung des Unternehmens eine Finanzierung, die trotz vertraglicher Vereinbarung ausgeblieben sein soll. Der indische Investor beziehungsweise dessen US-Holding Tejascore Techsystems Inc. hatte paragon ein Darlehen über insgesamt zwölf Millionen Euro zugesagt. Fünf Millionen Euro sollten Ende Juni, weitere sieben Millionen Ende Juli fließen. Die Zahlungen seien jedoch auch nach mehrfacher Aufforderung und einer Nachfrist nicht erfolgt.
Das Geld war vor allem dafür vorgesehen, Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten zu reduzieren. Ohne die zugesagte Finanzierung könne paragon entsprechende Vereinbarungen nun nicht mehr erfüllen. Das Unternehmen erhebt zugleich schwere Vorwürfe gegen den potenziellen Investor. Die Anwälte von paragon gehen nach Unternehmensangaben von einer möglichen arglistigen Täuschung aus und sehen einen Betrugsverdacht. Diese Vorwürfe sind bislang die Darstellung von paragon und nicht unabhängig bestätigt. (onvista)
Bemerkenswert ist, dass die Insolvenz nicht unmittelbar auf ein zusammengebrochenes operatives Geschäft zurückgeführt wird. Noch im Juli hatte paragon für 2025 einen Umsatz von 110,9 Millionen Euro und ein EBITDA von 14,9 Millionen Euro gemeldet. Das Konzernergebnis lag demnach mit 1,2 Millionen Euro wieder im Plus. Gleichzeitig verwies das Unternehmen auf einen Automotive-Auftragseingang von 215 Millionen Euro. Die Verschuldung sei in den vergangenen Jahren um mehr als 64 Prozent reduziert worden.
Die Insolvenz trifft Paragon in einer Phase, in der offenbar nicht die Aufträge fehlen, sondern vor allem die zugesagte Finanzierung.
Von den Insolvenzanträgen betroffen sind die deutschen Standorte in Delbrück, Suhl, Landsberg am Lech, Limbach, Nürnberg und St. Georgen. Unter den 552 Beschäftigten befinden sich nach Unternehmensangaben auch 21 Auszubildende und Praktikanten. Die Tochtergesellschaften in Kroatien und China sind nicht Teil der Anträge. Paragon geht davon aus, dass der Geschäftsbetrieb nach Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters fortgesetzt werden kann.
Für Delbrück und die Region ist die Nachricht dennoch ein schwerer Einschnitt. Paragon gehört seit Jahrzehnten zur industriellen Landschaft Ostwestfalens und beliefert große Automobilhersteller mit Elektronik-, Innenraum- und Aerodynamiklösungen.
Unsere Meinung: Die Insolvenz ist besonders bitter, weil hier offenbar nicht fehlende Aufträge das Hauptproblem sind, sondern eine Finanzierungslücke von zwölf Millionen Euro. Entscheidend wird nun sein, schnell einen verlässlichen Investor zu finden und das vorhandene Geschäft zu stabilisieren. Wenn Auftragsbestand und operative Ertragskraft tatsächlich so solide sind, wie paragon sie beschreibt, sollte die Insolvenz nicht zwangsläufig das Ende des Unternehmens bedeuten. Für die Beschäftigten in Delbrück und an den übrigen Standorten zählt jetzt allerdings weniger die Vergangenheit als eine schnelle und belastbare Perspektive.