Ostwestfälischer Bischof Wiesemann tritt überraschend zurück

Bischof Karl-Heinz Wiesemann tritt zurück. Der gebürtige Herforder galt als Reformstimme und war eng mit Ostwestfalen verbunden.

Der aus Herford stammende Karl-Heinz Wiesemann legt überraschend sein Amt als Bischof von Speyer nieder. Der 66-Jährige nennt gesundheitliche Gründe. Mit ihm verliert die katholische Kirche zugleich eine ihrer deutlichsten Stimmen für Reformen.

Karl-Heinz Wiesemann hat Papst Leo XIV. um die Entpflichtung von seinem Amt als Bischof von Speyer gebeten. Der Papst nahm das Gesuch an, der Rücktritt gilt mit sofortiger Wirkung. Wiesemann erklärte, die jahrelange Verantwortung habe bei ihm körperlich und vor allem seelisch schwere Spuren hinterlassen. Für die anstehenden tiefgreifenden Veränderungen im Bistum fehle ihm inzwischen die notwendige Kraft.

Auch in Ostwestfalen dürfte die Nachricht Aufmerksamkeit finden. Wiesemann wurde 1960 in Herford geboren und legte 1979 sein Abitur am Widukind-Gymnasium in Enger ab. Nach seinem Studium in Paderborn und Rom führte ihn sein kirchlicher Weg zunächst durch das Erzbistum Paderborn. 2002 wurde er Weihbischof in Paderborn, bevor Papst Benedikt XVI. ihn Ende 2007 zum Bischof von Speyer ernannte. Die Amtseinführung folgte im März 2008.

In den vergangenen Jahren gehörte Wiesemann zu den reformorientierten Bischöfen in Deutschland. Er unterstützte den Synodalen Weg, sprach sich für eine stärkere Rolle von Frauen in der Kirche aus und plädierte dafür, über den Zugang von Frauen zum Diakonat neu nachzudenken. Auch beim Pflichtzölibat forderte er Veränderungen. Noch 2025 schlug er vor, Priestern ein zeitlich begrenztes Zölibatsversprechen zu ermöglichen und die Ausübung des Priesteramtes nicht dauerhaft an die Ehelosigkeit zu koppeln.

Karl-Heinz Wiesemann gehörte zu den Kirchenmännern, die Reformen nicht nur diskutierten, sondern öffentlich einforderten.

Besonders belastend war für Wiesemann die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bistum Speyer. Nach Veröffentlichung einer Studie im Mai 2025 bat er Betroffene öffentlich um Vergebung und räumte ein, das Ausmaß des Skandals lange unterschätzt zu haben. Einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung dürfe es nicht geben, betonte er damals.

Sein Rücktritt fällt zudem mitten in einen erheblichen Umbau des Bistums. Die bislang 70 Pfarreien sollen künftig in nur noch neun größeren Pfarreien organisiert werden. Wiesemann hatte selbst von einem großen Einschnitt gesprochen.

Unsere Meinung: Mit Karl-Heinz Wiesemann zieht sich ein Kirchenmann zurück, dessen Wurzeln fest in Ostwestfalen liegen und der schwierigen Debatten nicht ausgewichen ist. Dass ein Bischof mit 66 Jahren die eigene Belastungsgrenze anerkennt, verdient Respekt. Für die katholische Kirche ist sein Ausscheiden dennoch ein Verlust – gerade weil sie Stimmen braucht, die Tradition nicht mit Stillstand verwechseln.

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