Mehr Eigenheime, weniger Wohnungen: Der Wohnungsbau in Ostwestfalen verändert sich

In Ostwestfalen steigen die Baugenehmigungen für Häuser, doch zugleich entstehen weniger Wohnungen – besonders Mehrfamilienhäuser fehlen.

Auf den ersten Blick sehen die neuen Zahlen für die Kreise Herford und Minden-Lübbecke durchaus positiv aus. In beiden Regionen wurden im ersten Halbjahr 2026 mehr neue Wohngebäude genehmigt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch hinter dem Plus verbirgt sich eine Entwicklung, die für den angespannten Wohnungsmarkt weniger erfreulich ist: Es entstehen nicht automatisch auch mehr Wohnungen.

Im Kreis Herford wurden von Januar bis Juni knapp 70 neue Wohngebäude genehmigt. Das entspricht einem Anstieg von rund 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Deutlicher fällt das Plus im Kreis Minden-Lübbecke aus. Dort waren es 120 Genehmigungen und damit gut sieben Prozent mehr. Vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser sorgen in beiden Kreisen für den Zuwachs. Gleichzeitig gingen die Genehmigungen für Mehrfamilienhäuser zurück.

Genau darin liegt der entscheidende Punkt. Ein neues Einfamilienhaus schafft in der Regel eine Wohnung, ein Mehrfamilienhaus dagegen mehrere. Steigt also die Zahl der genehmigten Gebäude, während weniger größere Wohnhäuser geplant werden, kann die Zahl der tatsächlich neu entstehenden Wohnungen trotzdem sinken. Genau das zeigt sich derzeit in Herford und Minden-Lübbecke.

Die Entwicklung passt zum Bild in Nordrhein-Westfalen. Im ersten Halbjahr wurden landesweit 20.191 Wohnungen genehmigt, 1,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Neue Einfamilienhäuser legten dagegen um neun Prozent zu, bei Zweifamilienhäusern betrug das Plus sogar 19,6 Prozent. Besonders auffällig ist der Geschosswohnungsbau: In Mehrfamilienhäusern wurden nur noch 10.938 Wohnungen genehmigt – elf Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Halbjahreswert seit 13 Jahren.

Ostwestfalen-Lippe entwickelt sich dabei schwächer als viele andere Regionen. Im gesamten Regierungsbezirk Detmold sank die Zahl der genehmigten Wohnungen im ersten Halbjahr um 9,3 Prozent. Bundesweit sieht es dagegen momentan besser aus: In Deutschland stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen im gleichen Zeitraum um 15,1 Prozent.

Für Herford und Minden-Lübbecke bedeutet das: Der Wunsch nach dem eigenen Haus scheint wieder etwas stärker auf den Markt zurückzukehren. Das löst jedoch das eigentliche Wohnraumproblem nicht. Gerade kleinere und bezahlbare Mietwohnungen entstehen vor allem in Mehrfamilienhäusern.

Unsere Meinung: Mehr Baugenehmigungen sind zunächst ein gutes Signal. Entscheidend für Ostwestfalen ist aber nicht die Zahl neuer Häuser, sondern wie viel bezahlbarer Wohnraum tatsächlich entsteht. Wenn der Geschosswohnungsbau weiter zurückgeht, dürfte sich die Wohnungssuche für viele Menschen eher verschärfen als entspannen.