ICE-Trasse durch OWL: Landwirte erhöhen Druck auf die Bahn

Landwirte in OWL verschärfen ihre Kritik an der ICE-Neubaustrecke zwischen Bielefeld und Hannover und warnen erneut vor Flächenverlusten.

Der Widerstand gegen die geplante ICE-Neubaustrecke zwischen Bielefeld und Hannover bekommt in Ostwestfalen neuen Nachdruck. Der Landwirtschaftliche Kreisverband Herford-Bielefeld lehnt die Neubaupläne weiterhin ab und fordert, zunächst die Möglichkeiten auf der bestehenden Bahnstrecke auszuschöpfen. Kreisvorsitzender Hermann Dedert sieht vor allem den zusätzlichen Flächenverbrauch und die Eingriffe in landwirtschaftlich genutzte Gebiete kritisch.

Neuen Gesprächsstoff liefern geplante Baugrunduntersuchungen im Raum Herford und Bad Salzuflen. Nach Angaben der Deutschen Bahn sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 im Bereich des Obernbergs weitere Untersuchungen stattfinden. Sie dienen dazu, genauere Erkenntnisse über den Untergrund für mögliche Tunnelbauwerke zu gewinnen. Die Planungen dafür seien noch in einem frühen Stadium und würden mit den zuständigen Behörden abgestimmt.

Seit Dezember 2025 konzentriert sich die Bahn bei dem Großprojekt auf zwei verbliebene Varianten. Die sogenannte Variante V3 führt über Vlotho und weiter in Richtung Bad Salzuflen. Nach den derzeitigen Planungen würde sie den Stuckenberg bei Herford unterqueren und den Obernberg westlich in einem Tunnel passieren. Variante V4 verläuft dagegen stärker durch den Raum Herford.

Für die Landwirtschaft kommt die Diskussion zu einem Zeitpunkt, an dem der Verlust von Ackerflächen ohnehin stärker in den Mittelpunkt rückt. Erst in dieser Woche haben Bauern in Bielefeld und im Kreis Herford rund 400 Schilder mit der Aufschrift „Ernährungsschutzgebiet“ aufgestellt. Nach WDR-Recherchen gingen zwischen 2020 und 2024 in Bielefeld rechnerisch fast 120 Hektar landwirtschaftliche Fläche pro Jahr verloren, im Kreis Herford waren es etwa 60 Hektar.

Für Ostwestfalen geht es bei der ICE-Trasse nicht nur um Fahrzeit, sondern auch um Äcker, Betriebe und Landschaft.

Der Protest gegen die ICE-Pläne reicht allerdings weit über die Landwirtschaft hinaus. Eine Petition für eine Neuberechnung des Deutschlandtaktes und eine stärkere Berücksichtigung des Bestandsausbaus sammelte 2025 mehr als 38.000 Unterschriften.

Auf der anderen Seite steht der verkehrliche Nutzen des Milliardenprojekts. Die Deutsche Bahn argumentiert, zwei zusätzliche Gleise könnten die Kapazität auf der wichtigen Ost-West-Achse deutlich erhöhen und mehr Nah-, Fern- und Güterverkehr ermöglichen. Ziel bleibt zudem eine Fahrzeit von 31 Minuten zwischen Bielefeld und Hannover.

Unsere Meinung: Eine leistungsfähigere Bahnverbindung ist für Ostwestfalen wichtig. Doch ein Großprojekt dieser Dimension darf nicht allein an einigen Minuten Fahrzeit gemessen werden. Wenn fruchtbare Böden, Betriebe und Landschaft dauerhaft betroffen sind, muss ein Ausbau der bestehenden Infrastruktur nachvollziehbar und ergebnisoffen gegen einen Neubau abgewogen werden. Die inzwischen 38.000 Unterschriften zeigen jedenfalls, dass die Bahn die Bedenken aus der Region nicht als Randthema behandeln kann.