Hörster Modell soll Wohnungsbau in Ostwestfalen beleben

Das Hörster Modell aus Halle verspricht neuen Schwung für den Wohnungsbau: Zwei-Prozent-Kredite sollen Eigentum wieder bezahlbarer machen.

Halle (Westf.). Ein Vorschlag aus dem Kreis Gütersloh könnte neuen Stoff für die Diskussion über den stockenden Wohnungsbau liefern. Stefan Habighorst, Inhaber des Hörster Betonwerks in Halle-Hörste, wirbt für ein vergleichsweise einfaches Modell: Wer bislang kein Wohneigentum besitzt und kreditwürdig ist, soll einmal im Leben einen Kredit für den Bau oder Kauf einer selbst genutzten Immobilie zu einem Zinssatz von zwei Prozent erhalten.

Habighorst nennt seinen Vorschlag das „Hörster Modell“. Seine Überlegung dahinter: Deutlich gestiegene Finanzierungskosten haben in den vergangenen Jahren viele Bauvorhaben unrentabel oder für private Haushalte schlicht unbezahlbar gemacht. Niedrigere Zinsen könnten deshalb nicht nur Familien und anderen Erstkäufern den Weg zum eigenen Haus oder zur Eigentumswohnung erleichtern, sondern gleichzeitig Aufträge für Bauunternehmen, Handwerker, Planer und Zulieferer schaffen. Gerade in einer mittelständisch geprägten Wirtschaftsregion wie Ostwestfalen wäre dieser Effekt durchaus spürbar.

Dass die Lage im Wohnungsbau weiterhin schwierig ist, zeigen aktuelle Zahlen. Zwar wurden im ersten Halbjahr 2026 deutschlandweit 126.300 Wohnungen genehmigt und damit 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Statistische Bundesamt weist allerdings darauf hin, dass dieser Anstieg von einem sehr niedrigen Niveau ausgeht. Gleichzeitig meldete das ifo Institut zuletzt eine leichte Stimmungsaufhellung in der Branche. Noch immer berichteten im Juli jedoch 41,2 Prozent der befragten Wohnungsbauunternehmen über zu wenige Aufträge. Die Erholung bleibe fragil.

Wer den Wohnungsbau wirklich ankurbeln will, muss dafür sorgen, dass sich Normalverdiener Eigentum wieder leisten können.

Ganz neu ist die Idee vergünstigter Immobilienkredite allerdings nicht. Über die NRW.BANK und die KfW gibt es bereits Förderprogramme für selbst genutztes Wohneigentum. Diese sind jedoch an Einkommensgrenzen, Familienkonstellationen oder bestimmte Anforderungen an Gebäude gebunden. Das Hörster Modell wäre deutlich breiter angelegt: Entscheidend wäre vor allem, dass der Antragsteller bislang kein Wohneigentum besitzt.

Ob ein flächendeckender Zwei-Prozent-Kredit finanzierbar wäre und wie hoch ein gefördertes Darlehen maximal sein dürfte, müsste die Politik allerdings klären. Genau an diesen Details dürfte sich entscheiden, ob aus der Idee tatsächlich ein tragfähiges Fördermodell werden kann.

Unsere Meinung: Der Vorschlag aus Halle-Hörste verdient eine ernsthafte Prüfung. Statt immer neue komplizierte Förderprogramme aufzulegen, könnte ein leicht verständlicher, dauerhaft günstiger Kredit tatsächlich Investitionen auslösen. Zwei Prozent für jeden Erstkäufer wären vermutlich zu pauschal – aber der Grundgedanke ist richtig: Wer den Wohnungsbau beleben will, muss dafür sorgen, dass sich Normalverdiener Wohneigentum wieder leisten können.