Fachkräfte gesucht: OWL-Unternehmen kämpfen um Nachwuchs

Fachkräftemangel in Ostwestfalen: Unternehmen in Herford und Lippe suchen Nachwuchs. Warum Ausbildung für OWL immer wichtiger wird.

Der Wettbewerb um junge Fachkräfte wird für Unternehmen in Ostwestfalen zunehmend zu einer Zukunftsfrage. Wie unterschiedlich Betriebe darauf reagieren, zeigte jetzt die Ausbildungstour von NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. In Herford und Lippe besuchte er drei Unternehmen, die seit Jahren selbst ausbilden – und damit versuchen, ihren Nachwuchs möglichst früh an das eigene Unternehmen zu binden.

Stationen der Tour waren der Schokoladenhersteller Ludwig Weinrich in Herford, der Maschinenbauer SOLLICH in Bad Salzuflen und der Handwerksbetrieb Kramp & Kramp in Lemgo. Zusammen beschäftigen die drei Unternehmen derzeit 59 Auszubildende: 21 bei Weinrich, 24 bei SOLLICH und 14 bei Kramp & Kramp.

Wer heute selbst ausbildet, sichert nicht nur den eigenen Nachwuchs, sondern stärkt langfristig auch den Wirtschaftsstandort Ostwestfalen.

Gerade bei Weinrich zeigt sich jedoch, wie sehr sich der Ausbildungsmarkt verändert hat. Geschäftsführer Cord Budde berichtet, dass es anspruchsvoller werde, geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Das Herforder Familienunternehmen versucht deshalb, Jugendliche bereits über Praktika und direkte Einblicke in den Betriebsalltag zu erreichen. Auch bei SOLLICH setzt man darauf, junge Menschen selbst zu Fachkräften zu entwickeln. In Lemgo geht Kramp & Kramp einen ähnlichen Weg: Bewerber lernen ihren Wunschberuf zunächst während eines Praktikums kennen.

Dass die drei Unternehmen mit dieser Herausforderung nicht allein sind, zeigen aktuelle Zahlen der IHK Ostwestfalen. Ende Juli waren in der Region trotz bereits 5.130 neu abgeschlossener Ausbildungsverträge noch 1.708 Ausbildungsplätze unbesetzt.

Noch deutlicher wird das Problem in einer aktuellen Ausbildungsumfrage der IHK: 46 Prozent der befragten Unternehmen konnten Ausbildungsstellen nicht besetzen. 69 Prozent dieser Betriebe nennen fehlende Qualifikation oder Eignung von Bewerbern als Grund. Bei einem Viertel gingen auf offene Ausbildungsstellen überhaupt keine Bewerbungen ein.

Dabei ist Ostwestfalen traditionell eine starke Ausbildungsregion. Ende 2025 waren allein in den von der IHK betreuten Berufen 17.419 junge Menschen in Ausbildung. Mehr als 4.000 Betriebe beteiligten sich an der beruflichen Ausbildung. Gleichzeitig spricht die IHK von zunehmenden Passungsproblemen zwischen freien Stellen und den Vorstellungen der Bewerber.

Für Unternehmen in Herford, Lippe und der gesamten Region bedeutet das: Eine Stellenanzeige allein reicht immer häufiger nicht mehr. Betriebe müssen früher in Schulen präsent sein, Praktika anbieten, Karrierewege zeigen und deutlich machen, was sie jungen Menschen tatsächlich bieten können.

Unsere Meinung: Ostwestfalen hat keinen Mangel an guten Ausbildungsbetrieben – aber ein Vermittlungsproblem zwischen Unternehmen und einer Generation, die heute andere Erwartungen an Arbeit stellt. Wer Nachwuchs gewinnen will, muss deshalb stärker um junge Menschen werben. Für eine mittelständisch geprägte Region wie OWL ist das keine Personalfrage am Rand, sondern eine der wichtigsten Standortfragen der kommenden Jahre.