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Bielefelder Shortcut soll innovative Start-ups binnen 24 Stunden handlungsfähig machen und den Gründungsstandort Ostwestfalen spürbar stärken.

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründet, braucht neben einer guten Geschäftsidee oft vor allem eines: Geduld. In Bielefeld soll das künftig anders laufen. Mit dem sogenannten „Bielefelder Shortcut“ will die Stadt gemeinsam mit Partnern aus der regionalen Gründerszene Start-ups innerhalb von 24 Stunden operativ handlungsfähig machen. Nach aktueller Planung sollen die ersten Gründungen über das Modell ab Ende August 2026 möglich sein.
Hinter dem Versprechen steckt allerdings nicht einfach eine beschleunigte klassische Firmengründung. Der entscheidende Kniff ist eine bereits vorbereitete Vorratsgesellschaft. Gründer übernehmen eine bestehende UG und können damit deutlich schneller geschäftlich aktiv werden. In einem Notartermin werden zugleich die operative Gesellschaft übernommen und eine Holding-Struktur aufgebaut. Steuernummer und Geschäftskonto sollen bereits zum Start vorhanden sein. Auch Gesellschaftsverträge werden so vorbereitet, dass spätere Investitionen erleichtert werden.
Der Bielefelder Shortcut soll aus einer guten Geschäftsidee deutlich schneller ein tatsächlich handlungsfähiges Unternehmen machen.
Getragen wird das Projekt von mehreren bekannten Akteuren des Bielefelder Start-up-Umfelds. Dazu gehören die Founders Foundation, die Volksbank in Ostwestfalen, der Teuto Seed Club, das Bielefelder Startup Paket der WEGE sowie die Kommunikationsagentur The Trailblazers. Die Volksbank stellt unter anderem die Vorratsgesellschaft und das Geschäftskonto bereit, während die Founders Foundation standardisierte Abläufe und Gründungswissen einbringt.
Auch finanziell soll der Einstieg erleichtert werden. Für die Übernahme der operativen Gesellschaft werden nach Angaben des Projekts 1.750 Euro bezuschusst. Für die Gründer verbleiben demnach 750 Euro zuzüglich Notarkosten und Stammkapital. Über das Bielefelder Startup Paket können außerdem Zuschüsse für Kauf- und Mietkosten von insgesamt bis zu 64.000 Euro hinzukommen. Das Angebot richtet sich vor allem an innovative und wissensintensive Start-ups mit Wachstumspotenzial, die den Wirtschaftsstandort Bielefeld stärken.
Damit geht Bielefeld einen eigenen Weg, während Bund und Länder noch an einer flächendeckenden echten 24-Stunden-Gründung arbeiten. Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin hatten dazu im Frühjahr ein gemeinsames Konzept für stärker automatisierte und digitale Verwaltungsverfahren vorgelegt. Auch auf Bundesebene gilt die schnellere Unternehmensgründung inzwischen als wichtiges Vorhaben der Verwaltungsmodernisierung.
Unsere Meinung: Der Bielefelder Shortcut ist mehr als eine pfiffige Abkürzung durch die Bürokratie. Wenn das Modell in der Praxis hält, was es verspricht, kann daraus ein echter Standortvorteil entstehen. Gerade für Ostwestfalen ist das interessant: Die Region ist wirtschaftlich stark, wird außerhalb Nordrhein-Westfalens aber noch immer eher mit etabliertem Mittelstand als mit jungen Wachstumsunternehmen verbunden. Bielefeld könnte zeigen, dass beides zusammenpasst – und dass Verwaltung nicht immer der langsamste Teil einer guten Geschäftsidee sein muss.
Weitere Informationen: wirtschaft.nrw