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Bielefelds Arbeitsmarkt bleibt angespannt: Mehr Arbeitslose, weniger offene Stellen und schwierige Perspektiven für viele junge Menschen.

Der Arbeitsmarkt in Bielefeld zeigt sich weiterhin widersprüchlich. Einerseits suchen Unternehmen nach Beschäftigten und Nachwuchs, andererseits bleibt die Zahl der Arbeitslosen auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei jungen Menschen. Die wirtschaftliche Schwäche hinterlässt damit auch in Ostwestfalen zunehmend sichtbare Spuren.
Nach Angaben der Agentur für Arbeit waren in Bielefeld zuletzt 17.256 Menschen arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vormonat bedeutete das zwar einen leichten Rückgang um 112 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr waren jedoch 329 Menschen mehr ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote lag bei 9,1 Prozent und damit leicht über dem Vorjahreswert von 9,0 Prozent.
Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung bei denjenigen, die Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung beziehen. Hier waren 5.602 Personen registriert – knapp elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das spricht dafür, dass die konjunkturelle Schwäche inzwischen stärker bei Menschen ankommt, die zuvor noch regulär beschäftigt waren. Dagegen ging die Zahl der arbeitslosen Menschen im Bereich der Grundsicherung im Jahresvergleich leicht zurück.
Sorgen bereitet außerdem die Jugendarbeitslosigkeit. 1.573 Arbeitslose in Bielefeld waren jünger als 25 Jahre. Innerhalb eines Jahres stieg ihre Zahl um mehr als zehn Prozent. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen weiterhin vor der Aufgabe, ihren Nachwuchs zu sichern.
Wie schwer Angebot und Nachfrage zusammenfinden, zeigt der Ausbildungsmarkt. Seit Beginn des Berichtsjahres hatten sich in Bielefeld 2.011 junge Menschen bei der Arbeitsagentur als Bewerber für eine Ausbildungsstelle gemeldet. 851 von ihnen waren zuletzt noch unversorgt. Auf der anderen Seite standen 1.437 gemeldete Ausbildungsplätze, von denen 456 noch nicht besetzt waren. Die tatsächliche Zahl dürfte sogar etwas höher liegen, weil die Bundesagentur aufgrund technischer Umstellungen zeitweise nicht sämtliche Ausbildungsstellen vollständig erfassen konnte.
Wenn Betriebe Nachwuchs suchen und gleichzeitig viele junge Menschen ohne Ausbildungsplatz bleiben, stimmt etwas im Übergangssystem nicht.
Auch bei den regulären Arbeitsplätzen ist das Bild gemischt. Zwar meldeten Bielefelder Arbeitgeber innerhalb eines Monats 554 neue Stellen. Insgesamt waren 2.304 offene Arbeitsplätze registriert. Gegenüber dem Vorjahr schrumpfte dieser Bestand allerdings um mehr als 30 Prozent.
Unsere Meinung: Bielefeld hat kein reines Arbeitslosenproblem, sondern zunehmend ein Vermittlungs- und Qualifikationsproblem. Wenn gleichzeitig Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bleiben und Betriebe ihre Stellen nicht besetzen können, müssen Berufsorientierung, praktische Einstiegsangebote und die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen deutlich früher ansetzen. Gerade für einen starken Wirtschaftsstandort wie Ostwestfalen wäre es fatal, wenn eine Generation von Fachkräften verloren geht, obwohl sie dringend gebraucht wird.