Bertelsmann legt kräftig zu – und sucht 225 neue Mitarbeiter

Bertelsmann steigert seinen Gewinn im ersten Halbjahr 2026 um 45 Prozent. Gleichzeitig sind in Gütersloh und der Region 225 Stellen offen.

Gütersloh. Deutschlands größter Medienkonzern startet mit deutlich besseren Zahlen in die zweite Jahreshälfte. Bertelsmann hat in den ersten sechs Monaten 2026 einen Umsatz von rund 9,3 Milliarden Euro erzielt. Besonders kräftig fällt der Anstieg beim Gewinn aus: Das Konzernergebnis erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 45 Prozent von 201 auf 292 Millionen Euro.

Auch operativ ging es für das Gütersloher Unternehmen aufwärts. Das bereinigte operative Ergebnis stieg um 4,9 Prozent auf 1,31 Milliarden Euro. Bemerkenswert ist vor allem das organische Umsatzwachstum von 5,1 Prozent. Nach Angaben des Konzerns war dies – abgesehen vom Ausnahmejahr 2021 während der Corona-Pandemie – der höchste Wert seit rund 20 Jahren. Zu dem Wachstum trugen unter anderem Penguin Random House, BMG, Arvato, die Bertelsmann Education Group und Bertelsmann Investments bei.

Ein wichtiger Faktor bleibt der Umbau des Konzerns. RTL hat inzwischen die Übernahme von Sky Deutschland abgeschlossen. Gleichzeitig steht die Zusammenführung der Musiktochter BMG mit dem US-Musikunternehmen Concord kurz vor dem Abschluss. Bertelsmann will seine Expansion zudem fortsetzen. Konzernchef Thomas Rabe sagte Reuters, dass in den kommenden Monaten durchaus noch ein oder zwei größere Übernahmen möglich seien.

Die guten Zahlen haben auch Folgen für die Prognose. Statt einer weitgehend stabilen Entwicklung erwartet Bertelsmann für das Gesamtjahr nun ein starkes Umsatzwachstum und einen deutlichen Anstieg des bereinigten operativen Ergebnisses. Auch das lange verlustreiche Streaming-Geschäft der RTL Group soll 2026 erstmals einen positiven Ergebnisbeitrag liefern.

Für Ostwestfalen ist jedoch eine andere Zahl mindestens ebenso interessant. Rund 10.000 Menschen arbeiten nach Angaben von Personalvorstand Immanuel Hermreck für Bertelsmann in der Region. Gleichzeitig sind derzeit 225 Stellen unbesetzt, ein großer Teil davon bei Arvato. Zudem seien im August rund ein Viertel mehr Auszubildende gestartet als im Vorjahr.

225 offene Stellen sind ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Gütersloh – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Damit bleibt Bertelsmann nicht nur einer der bekanntesten Namen aus Ostwestfalen, sondern auch einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Gerade in einer Zeit, in der andere große Unternehmen Stellen abbauen oder Standorte überprüfen, ist diese Entwicklung für den Wirtschaftsstandort Gütersloh ein positives Signal.

Unsere Meinung: Die Halbjahreszahlen zeigen, dass Bertelsmann beim Umbau seines Geschäfts deutlich weiter ist, als es noch vor einigen Jahren den Anschein hatte. Für Ostwestfalen ist dabei weniger der Gewinnsprung entscheidend als die Tatsache, dass weiterhin investiert und eingestellt wird. 225 offene Stellen sind ein starkes Zeichen – besonders in einem derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.