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Augustdorf verhängt wegen sinkender Einnahmen eine Haushaltssperre. Die Finanzlage zeigt die wachsenden Probleme vieler Kommunen in Lippe.

Die finanzielle Lage der Kommunen in Lippe wird zunehmend angespannter. Jetzt hat auch die Gemeinde Augustdorf eine Haushaltssperre verhängt. Sie gilt mit sofortiger Wirkung. Auslöser sind Gewerbesteuereinnahmen, die deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Damit folgt Augustdorf der Stadt Lage, die bereits Anfang August mit einer internen Haushaltssperre auf ihre schwierige Finanzlage reagiert hatte.
Ganz überraschend kommt die Entwicklung allerdings nicht. Bereits bei der Verabschiedung des Augustdorfer Haushalts im März war klar, dass 2026 kein einfaches Jahr werden würde. Der Rat beschloss einen Etat mit erwarteten Erträgen von 25,6 Millionen Euro und Aufwendungen von 28,4 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung eines sogenannten globalen Minderaufwands kalkulierte die Gemeinde mit einem Defizit von rund 3,8 Millionen Euro. Der Fehlbetrag sollte aus der Ausgleichsrücklage gedeckt werden.
Umso auffälliger ist der Gegensatz zum vergangenen Jahr. Erst im Juli 2026 hatte Augustdorf für 2025 einen Jahresüberschuss von 3,5 Millionen Euro gemeldet – das beste Ergebnis seit Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements. Verantwortlich dafür waren jedoch vor allem ungewöhnlich hohe Gewerbesteuernachzahlungen. Kämmerer Patrick Herrmann warnte schon bei der Vorstellung des Abschlusses davor, das Ergebnis überzubewerten: Die erwarteten Defizite der kommenden Jahre könnten die Rücklagen vollständig aufzehren.
Der schnelle Wechsel vom Rekordüberschuss zur Haushaltssperre zeigt, wie verletzlich kommunale Finanzen inzwischen geworden sind.
Mit der Haushaltssperre versucht Augustdorf nun, rechtzeitig gegenzusteuern und seine finanzielle Handlungsfähigkeit zu erhalten. Neue oder noch nicht zwingend erforderliche Ausgaben geraten damit stärker unter Vorbehalt. Für die Gemeinde geht es darum, ein noch größeres Loch im laufenden Etat zu verhindern.
Das Problem reicht allerdings über Augustdorf hinaus. Kreis und Kommunen hatten schon bei den Beratungen über die Kreisumlage 2026 von einer erheblichen strukturellen Unterfinanzierung gesprochen. Allein die Kreisumlage steigt gegenüber dem Vorjahr um mehrere Millionen Euro. Gleichzeitig bleibt die Gewerbesteuer für viele Städte und Gemeinden eine entscheidende, aber konjunkturabhängige Einnahmequelle. Die IHK Lippe weist ebenfalls darauf hin, wie wichtig finanziell handlungsfähige Kommunen für einen starken Wirtschaftsstandort sind.
Unsere Meinung: Die Haushaltssperre ist für Augustdorf unangenehm, aber konsequent. Gerade der schnelle Wechsel vom Rekordüberschuss zur Ausgabensperre zeigt, wie wenig einzelne gute Steuerjahre über die tatsächliche Finanzkraft einer Kommune aussagen. Problematischer ist, dass Augustdorf kein Einzelfall mehr ist. Wenn selbst vergleichsweise wirtschaftsstarke Kommunen in Lippe immer häufiger die Ausgabenbremse ziehen müssen, sollte das auch in Düsseldorf und Berlin als Warnsignal verstanden werden.
Weitere Informationen: augustdorf.de