Ostwestfalen.nrw
Louis-Ferdinand-Strasse 9
32052 Herford
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Mehr als jeder zweite Ausbildungsbetrieb in Ostwestfalen nutzt bereits KI in 2026 – besonders beim Lernen und bei der Prüfungsvorbereitung.

Künstliche Intelligenz ist in vielen Ausbildungsbetrieben in Ostwestfalen längst mehr als ein Experiment. Mehr als jedes zweite Unternehmen setzt KI bereits in der betrieblichen Ausbildung ein. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld unter 426 Unternehmen. Erstmals hat die IHK dabei gezielt nach der Bedeutung und Nutzung von KI in der Ausbildung gefragt.
Besonders häufig kommt die Technik dort zum Einsatz, wo Auszubildende selbst davon profitieren können: beim Lernen und bei der Vorbereitung auf Prüfungen. 31 Prozent der befragten Unternehmen nutzen KI bereits für diesen Zweck. Denkbar sind beispielsweise das Aufbereiten von Lerninhalten, das Erklären komplizierter Zusammenhänge oder das Erstellen von Übungsfragen.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass die Entwicklung keineswegs überall gleich weit fortgeschritten ist. Für 33 Prozent der Betriebe besitzt KI in der Ausbildung bereits heute eine hohe oder sehr hohe Bedeutung. Auf der anderen Seite messen 30 Prozent der Unternehmen dem Thema bislang nur eine geringe oder gar keine Bedeutung bei.
Bemerkenswert ist vor allem ein anderer Wert: 73 Prozent der Unternehmen bereiten ihr Ausbildungspersonal nach Angaben der IHK bereits gezielt auf veränderte Arbeitsanforderungen durch Künstliche Intelligenz vor. Damit verschiebt sich die Diskussion zunehmend von der Frage, ob Auszubildende KI überhaupt verwenden sollten, hin zur Frage, wie sie die Werkzeuge sinnvoll, kritisch und verantwortungsvoll einsetzen können.
KI wird die Ausbildung nicht ersetzen – aber sie verändert schon jetzt, wie in Ostwestfalen gelernt und gearbeitet wird.
Für Ostwestfalen ist diese Entwicklung besonders relevant. Ende 2025 wurden im Bezirk der IHK Ostwestfalen 17.419 junge Menschen in 166 IHK-Berufen ausgebildet. Insgesamt engagierten sich 4.065 Betriebe in der Ausbildung. Die Veränderungen treffen damit nicht nur einige Digital- oder IT-Berufe, sondern einen wichtigen Teil des regionalen Arbeitsmarktes.
Auch bundesweit ist das Thema inzwischen weit oben auf der Agenda angekommen. Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat seinen Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026 vollständig unter den Schwerpunkt „Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung“ gestellt. Untersucht wird KI dabei entlang des gesamten beruflichen Weges – von Berufsorientierung und Ausbildung über die Arbeitswelt bis zur Weiterbildung.
Für die Unternehmen in Ostwestfalen dürfte deshalb entscheidend werden, KI-Kompetenz nicht mit der bloßen Bedienung von Chatbots gleichzusetzen. Junge Fachkräfte müssen ebenso lernen, Ergebnisse zu überprüfen, Quellen einzuschätzen, sensible Unternehmensdaten zu schützen und zu erkennen, wann menschliche Erfahrung wichtiger ist als eine automatisch erzeugte Antwort.
Unsere Meinung: Dass bereits mehr als jeder zweite befragte Ausbildungsbetrieb KI einsetzt, ist für Ostwestfalen ein bemerkenswertes Signal. Gerade eine Region mit vielen mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen sollte das Thema Ausbildung nutzen, um KI früh in den betrieblichen Alltag zu integrieren. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele KI-Werkzeuge einzusetzen. Entscheidend ist, jungen Menschen beizubringen, wann sie hilfreich sind – und wann man ihnen besser nicht blind vertraut.