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Bertelsmann feiert mit Shiprocket einen starken Börsengang in Indien und baut seine internationale Investmentstrategie erfolgreich weiter aus.

Für Bertelsmann aus Gütersloh zahlt sich ein langjähriges Engagement in Indien sichtbar aus. Die E-Commerce- und Logistikplattform Shiprocket ist am Mittwoch, 19. August, an den indischen Börsen gestartet – und hat dabei einen bemerkenswerten ersten Handelstag hingelegt. Die Aktie schloss nach Angaben von Bertelsmann rund 48 Prozent über dem Ausgabepreis. Zum Ende des Handelstages wurde das Unternehmen mit etwa 1,1 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Volumen des Börsengangs lag bei rund 170 Millionen US-Dollar.
Der Erfolg hat für Bertelsmann eine besondere Vorgeschichte. Über Bertelsmann India Investments (BII) stieg der Konzern bereits 2015 bei Shiprocket ein und gehörte damit zu den ersten institutionellen Geldgebern. Damals hatte das junge Unternehmen rund 1.500 Kunden und weniger als zwei Millionen US-Dollar Jahresumsatz. Heute nutzen mehr als 214.000 aktive Händler die Plattform, der Jahresumsatz liegt nach Unternehmensangaben inzwischen bei mehr als 200 Millionen US-Dollar.
Shiprocket bündelt für Onlinehändler unter anderem Versand, Fulfillment, Checkout und grenzüberschreitenden Handel. Gerade in Indien trifft das Geschäftsmodell auf einen stark wachsenden Markt. Analysten rechnen laut Reuters damit, dass der indische Onlinehandel bis 2030 jährlich um 20 bis 25 Prozent wachsen könnte. Entsprechend groß war das Interesse am Börsengang: Die Aktienemission war nahezu 100-fach überzeichnet. Beim Handelsstart sprang die Aktie deutlich über den Ausgabepreis von 97 Rupien.
Was in Gütersloh entschieden wird, kann heute Milliardenmärkte auf der anderen Seite der Welt mitprägen.
Für Bertelsmann ist der Börsengang auch deshalb interessant, weil der Gütersloher Konzern seinen Anteil nicht einfach zu Geld gemacht hat. Bertelsmann India Investments zog sich vor dem Börsengang aus dem geplanten Aktienverkauf zurück und hält nach dem Listing weiterhin rund 19 Prozent an Shiprocket. Damit bleibt BII einer der wichtigsten Anteilseigner und setzt offenbar auf weiteres Wachstum.
Der Fall zeigt zugleich, wie international Bertelsmann inzwischen nach neuen Geschäftsfeldern sucht. Indien zählt für Bertelsmann Investments zu den wichtigsten Wachstumsmärkten. Mehr als 100 Millionen US-Dollar sollen dort jährlich investiert werden. Die Investment-Sparte hält weltweit mehr als 300 aktive Beteiligungen. Für einen Konzern, dessen Wurzeln weiterhin in Gütersloh liegen, entstehen damit beträchtliche Unternehmenswerte längst weit außerhalb Ostwestfalens.
Unsere Meinung: Der Shiprocket-Börsengang ist für Bertelsmann mehr als eine schöne Erfolgsmeldung aus Indien. Er zeigt, dass langfristige Beteiligungen an jungen Technologieunternehmen für den Gütersloher Konzern zu einem ernstzunehmenden Geschäft geworden sind. Gerade weil Bertelsmann seine Beteiligung nicht beim ersten großen Kurssprung verkauft, wirkt die Strategie langfristig und nicht auf einen schnellen Exit ausgerichtet.
Weitere Informationen: bertelsmann.com