Warnstreik bei Storck: Frühschicht setzt in Halle ein Zeichen

Warnstreik bei Storck in Halle am 22.06.2026: NGG fordert 5,8 Prozent mehr Lohn – Arbeitgeber bieten gestaffeltes Angebot über 24 Monate.

Halle (Westf.). Vor den Werkstoren von Storck ist es am Montagmorgen unruhiger als sonst. Wo sonst Lastwagen rollen und Schichtwechsel im Takt der Produktion laufen, hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zum Warnstreik aufgerufen. Die komplette Frühschicht soll die Arbeit niederlegen – der Ausstand läuft seit 3.30 Uhr und ist bis 14.15 Uhr angemeldet. Für den Süßwarenhersteller, der in Halle tief verwurzelt ist, ist das mehr als eine kurze Unterbrechung im Betriebsablauf.

Hintergrund ist der festgefahrene Tarifkonflikt in der nordrhein-westfälischen Süßwarenindustrie. Die Arbeitgeberseite bietet nach Darstellung der Gewerkschaft 1,9 Prozent mehr Lohn ab dem 1. Mai 2026 sowie weitere 1,5 Prozent ab dem 1. Mai 2027 – bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Hinzu kommen 0,4 Prozentpunkte mehr für die betriebliche Altersvorsorge. Die NGG hält das für zu wenig und verlangt 5,8 Prozent mehr Geld – mindestens jedoch 230 Euro monatlich mehr – bei einer Laufzeit von lediglich zwölf Monaten. Gerade Beschäftigte in Produktion, Lager und Schichtbetrieb hätten in den vergangenen Jahren steigende Kosten deutlich gespürt, heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Die Erwartung sei deshalb klar: ein Abschluss, der nicht nur auf dem Papier gut aussieht, sondern am Monatsende spürbar ist.

Storck ist in Halle kein Betrieb wie jeder andere. Mehr als 3.800 Menschen arbeiten am Heimatstandort des Unternehmens in Ostwestfalen. Hier werden bekannte Marken wie Werther’s Original, nimm2, Riesen, Toffifee und Super Dickmann’s hergestellt. Viele Familien in der Stadt haben direkte oder indirekte Verbindungen zum Werk. Entsprechend aufmerksam wird der Tarifstreit vor Ort verfolgt.

Wie stark die Produktion durch den Warnstreik beeinträchtigt wird, war zunächst nicht absehbar. Klar ist aber: Die NGG will vor der nächsten Verhandlungsrunde den Druck erhöhen. Diese soll am 30. Juni fortgesetzt werden. Für die Gewerkschaft ist der Ausstand ein Signal an die Arbeitgeber, dass die Beschäftigten nicht bereit sind, ein aus ihrer Sicht zu niedriges Angebot mit zu langer Laufzeit einfach hinzunehmen.

In Halle trifft der Konflikt eine Stadt, die seit Jahrzehnten mit Storck verbunden ist. Süßwaren aus dem Werk gehen von hier aus weit über die Region hinaus. Am Montagmorgen rückten jedoch nicht Bonbons, Schokolade oder Logistik in den Mittelpunkt, sondern die Frage, was die Arbeit der Menschen wert ist, die diese Produkte Tag für Tag herstellen.

Zum Unternehmen: storck.com