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Ab dem 1. Juli 2026 können BesucherInnen der städtischen Website per Knopfdruck jeden Inhalt in Leichte Sprache übersetzen lassen

Wer schon einmal vor einem amtlichen Schreiben gesessen und sich gefragt hat, was die Behörde damit eigentlich sagen will, kennt das Problem. Für viele Menschen in Bielefeld ist das Alltag — nicht wegen mangelnder Bildung, sondern weil Verwaltungssprache seit jeher eine eigene Welt ist. Das soll sich jetzt ändern.
Die Stadt Bielefeld baut ihre inklusive Ausrichtung weiter aus und setzt künftig verstärkt auf Leichte Sprache. Ziel ist es, allen Bürgerinnen und Bürgern einen gleichberechtigten Zugang zu Informationen zu ermöglichen – unabhängig von Voraussetzungen oder Sprachkenntnissen.
Ab dem 1. Juli 2026 können Besucherinnen und Besucher der städtischen Website per Knopfdruck jeden Inhalt in Leichte Sprache übersetzen lassen — in Echtzeit, ohne Wartezeit. Möglich macht das die Software SUMM AI, ein Münchner GovTech-Unternehmen, dessen Tool nach dem Prinzip von Google Translate komplizierte Texte auf Knopfdruck in Leichte Sprache überträgt und bereits in vielen öffentlichen Verwaltungen im Einsatz ist. Mehr als 120 Kommunen, Ministerien und Landesbehörden setzen die Technologie bereits für barrierefreie Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern ein.
Bielefeld geht dabei einen Schritt weiter als viele andere Städte: In einer weiteren Ausbaustufe soll das Übersetzungstool auch für die Dienstleistungen auf dem Serviceportal verfügbar sein. Intern werden außerdem Schreiben wie Briefe, Bescheide und Formulare künftig systematisch in Einfache oder Leichte Sprache übertragen. Eine KI-gestützte Software erstellt zunächst eine vereinfachte Version, die anschließend von einer Fachkraft für Leichte Sprache geprüft und überarbeitet wird. Der Mensch bleibt also in der Schleife — die Technik übernimmt die Vorarbeit, die Qualitätskontrolle liegt beim Fachpersonal.
Dass solche Maßnahmen dringend nötig sind, zeigt die Zahl derjenigen, die betroffen sind: In Deutschland gibt es bis zu 20 Millionen Menschen, die durch Lernschwierigkeiten, Behinderungen, Bildungsnachteile oder geringe Deutschkenntnisse komplizierte Texte nicht verstehen. In einer Stadt wie Bielefeld mit über 340.000 Einwohnern, hohem Migrationsanteil und einer breiten sozialen Durchmischung ist das keine abstrakte Statistik.
Sozial- und Integrationsdezernent Ingo Nürnberger bringt es auf den Punkt: Verwaltung müsse für alle Menschen verständlich sein — nur so ließen sich Chancengleichheit und demokratische Mitwirkung wirklich verwirklichen. Leichte Sprache sei kein Zusatz, sondern eine Grundvoraussetzung für eine inklusive Stadtgesellschaft.
Die interne Anlaufstelle für Leichte Sprache, die Anfang 2026 ihren Betrieb aufgenommen hat, ist dem Büro für Sozialplanung im Bereich Inklusion und Behindertenhilfe zugeordnet. Sie entstand auf Initiative des Beirats für Behindertenfragen sowie eines politischen Beschlusses und arbeitet eng mit den Fachämtern zusammen.
Was das konkret im Leben einzelner Menschen bedeuten kann, schildert Marcel Klaus, der das Projekt begleitet hat: Früher konnte er viele Briefe von der Stadt häufig nicht verstehen. Jetzt sei das anders — und damit auch seine Möglichkeit, mitzureden.
Bielefeld ist mit diesem Weg nicht allein. Auch andere Kommunen in Nordrhein-Westfalen erkennen zunehmend, dass verständliche Sprache kein Luxus ist. Wer sich die Mühe macht, Bescheide, Formulare und Webseiten wirklich zugänglich zu gestalten, investiert nicht nur in Inklusion — sondern auch in das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in ihre Verwaltung.
Weitere Informationen: bielefeld.de